Ferienwohnungen in der Schweiz sind immer weniger gefragt

Auf dem Markt für Schweizer Ferienwohnungen besteht ein Überangebot. Die damit verbundenen sinkenden Preise könnten jedoch auch das eine oder andere Schnäppchen für Schweizer ermöglichen. Denn zumindest für Wochenendhäuschen besteht weiterhin eine Nachfrage.

S-chanf im Kanton Graubünden im Winter.

In eher abgelegenen Gebieten wie dem Engadin sinkt die Nachfrage nach Ferienwohnungen stärker als etwa in der Zentralschweiz. (Bild: Marcelkessler / Pixabay)

Früher galt eine Ferienwohnung in den Schweizer Bergen als Prestigeobjekt. Inzwischen aber können sich eine solche immer mehr Leute leisten. Wenn sie denn wollten. Denn die Preise für Ferienwohnungen sinken seit Jahren. Es fehlt an genügend Kundschaft, während an Objekten alles andere als ein Mangel herrscht. Ende 2018 berichtete die «Sonntagszeitung» mit Bezug auf eine Auswertung des Immobilienberatungsunternehmen «Wüest Partner» von fast 10’000 zum Verkauf stehenden Zweitwohnungen in touristischen Gebieten – 2003 waren es noch rund 3500.

Der enorme Anstieg an verfügbaren Immobilien ist zu einem grossen Teil auf die Annahme der Zweitwohnungsinitiative im Jahr 2012 zurückzuführen. Auch aus Unsicherheit über deren Umsetzung realisierten Bauherrschaften ihre bereits bewilligten Bauten noch so schnell wie möglich. Es entstand ein Überangebot, das seither nur langsam abgebaut werden kann. Denn: Wegen des starken Schweizer Frankens können oder wollen sich gleichzeitig immer weniger Ausländer eine Ferienwohnung in der Schweiz leisten. Und jene, die bereits eine haben, entschliessen sich vermehrt, ihre Immobilie zu verkaufen. Zu verlockend ist der Währungsgewinn, trotz tieferer Preise.

Junge möchten Reisende sein

Es geht aber nicht immer nur um Gewinn. Manchmal wird das frühere Feriendomizil schlicht auch nicht mehr genügend genutzt. So trennen sich etwa viele Kinder von den Objekten ihrer verstorbenen Eltern. Die Jungen machen heute anders Ferien, als ihre Eltern noch vor zwei, drei Jahrzehnten. Die Mobilität ist gestiegen, und gleichzeitig die einfache Verfügbarkeit von Ferienwohnungen weltweit. Dank Onlineportalen im Internet kann jeder schnell und einfach eine Ferienwohnung mieten – und zwar jedes Jahr an einem neuen Ort. Drei- bis viermal jährlich für eine Woche Ferien an das gleiche Ort? Für viele heute oft zu langweilig. Vielmehr möchten sie tatsächliche Reisende sein. Ein Generationenwechsel, der sich in den nächsten Jahren sogar noch verstärkt auf dem Schweizer Ferienwohnungsmarkt bemerkbar machen dürfte.

Die Ferienwohnung für das Wochenende

Ascona: Beliebter Touristenort im Kanton Tessin.

Während sich immer mehr Deutsche aus dem Tessin zurückziehen, wird die Sonnenstube für Schweizer dank kürzerem Anfahrtsweg attraktiver. (Bild: Adege / Pixabay)

Dieses veränderte Reiseverhalten zeigt sich natürlich nicht nur bei den Ausländern, sondern auch bei den Schweizern. Auch für sie wird die Ferienwohnung in den Schweizer Bergen scheinbar immer unattraktiver. Zum einen profitieren sie ebenfalls vom starken Franken, mit dem sie sich bei Skiferien etwa in Österreich einiges mehr leisten können. Zum anderen möchten auch sie nicht mehr immer am gleichen Ort die Ferien verbringen, sondern vielmehr die Welt erkunden. Zumindest während längerer Abwesenheiten.

Etwas anders verhält es sich jedoch mit kurzen Aufenthalten. Das Wochenende regelmässig in den Bergen oder im Tessin verbringen? Dem sind einige Schweizerinnen und Schweizer weiterhin nicht abgeneigt. Sofern der Anfahrtsweg nicht zu weit ist. Entsprechend sinken die Preise für Ferienwohnungen in gut erschlossenen, vom Mittelland aus schnell erreichbaren Gebieten weniger stark als etwa im Engadin. Davon profitiert zum Beispiel die Zentralschweiz oder – dank des Gotthard-Basistunnels – inzwischen auch das Tessin. Während sich in der Sonnenstube der Schweiz also immer mehr Deutsche von ihren geerbten Zweitwohnungen trennen, steigt das Interesse der Deutschschweizer an ihrem Südkanton. Insgesamt kann aber auch dort aktuell wohl das eine oder andere Schnäppchen gemacht werden.