Mieter: Rundum gut versichert

Wenn du eine neue Mietwohnung beziehst oder später die Schlüssel zurückgibst: Bei der Unterzeichnung des Mietvertrags oder im Umzugsstress gehen wichtige Fragen zur Versicherung unter. Wir zeigen, welche Versicherungen Mieterinnen und Mieter abschliessen sollten.

Rotweinflecken nach der letzten Party? Eine zersprungene Glaskeramik am Kochherd? Früher oder später stellt sich die Frage, wer für den Schaden aufkommen muss. Grundsätzlich gilt: Wer eine Wohnung mietet, ist für Schäden am Haus und an der Wohnung haftbar. Das ergibt sich aus der gesetzlichen Haftpflicht für Schäden, die eine Person dem Eigentum eines Dritten zufügt. Und die Wohnung und alles Drum und Dran gehören eben dem Vermieter. Daher haben Mieterinnen und Mieter alles Interesse daran, dass sie gut versichert sind. Wichtig ist auch: Die abgeschlossenen Versicherungen müssen auf deine individuellen Bedürfnisse zugeschnitten sein.

Versichern? Aber richtig!

Wer zum ersten Mal eine Wohnung bezieht, steht ganz woanders im Leben als ein Haushalt mit mehreren Personen und Kindern. Im einen Fall möchtest du vielleicht einfach dein neues Bike und den Laptop versichert haben. Für andere wäre es eine Überlegung wert, sogar einen All-Risk-Schutz in Betracht zu ziehen. Damit wäre der gesamte Hausrat nicht nur gegen Feuer, Wasser und Diebstahl versichert. Eine All-Risk-Versicherung deckt alle möglichen Risiken – die Versicherung zahlt selbst dann, wenn dir ein teures Markengerät aus der Hand fällt. Entscheidest du dich hingegen eher für eine Basisversicherung sind so genannte „Eigenschäden“ (am eigenen Mobiliar) nicht versichert.

Hausrat & Haftpflicht: Das sollten Mieter wissen

Die Prämien halten sich in Grenzen – gemessen an den Schäden, die gedeckt sind. Mieterinnen und Mieter sollten vor allem folgende zwei Versicherungen prüfen:

  • Hausrat: Schäden durch Feuer, Wasser oder Diebstahl. Beispiele: Wenn ein Zimmerbrand dein Mobiliar zerstört. Die Versicherung würde auch Ersatz leisten, wenn bei einem Wohnungseinbruch teure Wertgegenstände gestohlen werden.
  • Privathaftpflicht: Schäden, die ein Mieter am Eigentum von Dritten zu verantworten hat.

Darüber hinaus gibt es natürlich eine ganze Menge an weiteren Risiken respektive Zusatzversicherungen. Wer besonders teure Vitrinen bei sich zuhause hat, sollte sich eine separate Glasversicherung überlegen. Dasselbe gilt natürlich für besonders teure Gegenstände oder für Fälle, die tendenziell von einem Durchschnittshaushalt abweichen: Eine Hausratversicherung deckt meist Wertgegenstände und Schmuck bis zu einer Grenze von etwa 10’000 bis 15’000 Franken. Wenn du wertvolle Erbstücke oder eine ganze Kunstsammlung zuhause hast, solltest du mit der Versicherung sprechen! Bei den Versicherungen ist weiter die so genannte Zusatzdeckung «einfacher Diebstahl» zu erwähnen. Damit kommt der Versicherungsschutz auch zum Tragen, wenn etwas ausser Haus gestohlen wird, etwa ein teures Mountain-Bike.

Versicherungen für Mieter: Grosse Auswahl

Auf dem Markt findest du unzählige Versicherungsangebote. Auch der Vertrieb ist unterschiedlich: Viele Leute schliessen die Versicherungen persönlich bei einem Agenten einer Versicherungsgesellschaft ab, bei einem Broker am Wohnort oder immer mehr auch online. Die Prämien und die Versicherungs- und Vertragsbedingungen sind unterschiedlich. Im Allgemeinen gilt: Hausrat- und Privathaftpflichtversicherungen mit einem ausreichenden Schutz kosten meist nicht mehr als einige Hundert Franken. Am besten vergleichst du mehrere Angebote. Je nach Versicherung gibt es teils vorteilhafte Kombiangebote. Wichtig zu wissen: Ein erheblicher Teil der Leistungen von Haftpflichtversicherungen deckt Mieterschäden (die öfters beim Auszug ans Licht kommen). Mieterinnen und Mieter zahlen daher meist höhere Prämien als Hauseigentümer.

Sowohl die Prämien als auch die Leistungen sind nicht überall die gleichen, im Gegenteil. Nehmen wir als Beispiel die Privathaftpflicht, die für Mieter besonders ratsam ist: „Die gesetzliche Haftung ist zwar grundsätzlich gleich, im klein Gedruckten der Policen finden sich aber schon gewisse Unterschiede“, sagt Stefan Thurnherr vom VZ Vermögenszentrum.

Versicherung: Was steht im «klein Gedruckten»?

Auffallend ist etwa die sehr unterschiedliche Praxis beim Selbstbehalt der Privathaftpflicht (meist 200 bis 300 Franken). Die Leistungen unterscheiden sich insofern, als der Selbstbehalt teils pauschal (einmalig) oder mehrfach in Abzug gebracht wird: Manche Versicherungen halten es so, dass sie den Selbstbehalt für jedes einzelne Zimmer oder für jeden einzelnen Schaden geltend machen. „Je nach dem kommt so beim Selbstbehalt eine beträchtliche Summe zusammen“, gibt Stefan Thurnherr zu bedenken. Kulanter und konsumentenfreundlicher ist es natürlich, wenn die Versicherung den Selbstbehalt nur einmal geltend macht.

Tipp: Am besten erkundigst du dich vor dem Abschluss der Versicherung, was dazu im klein Gedruckten steht. Übrigens gibt es auch ausdrücklich Angebote ohne Selbstbehalt. Mitglieder des Mieter/innen-Verbandes haben im Übrigen die Möglichkeit, den Selbstbehalt mit einer kleinen Zusatzversicherung auszuschliessen.

Versicherungssumme: regelmässig prüfen!

Wesentlicher Teil jeder Police ist die Versicherungssumme. Kommt die Versicherung aber im Schadensfall zum Schluss, dass der Wert des Hausrates höher zu veranschlagen ist, kürzt sie ihre Leistungen – auch wenn nur ein Teilschaden vorliegt. Wer im Extremfall zu 50 Prozent unterversichert ist, erhält nur die Hälfte der Schadenssumme ausbezahlt. Der beste Schutz dagegen sind die regelmässige Überprüfung des Hausrates und entsprechende Anpassungen der Versicherungssumme bei Neuanschaffungen. Die meisten Versicherungsgesellschaften bieten dazu Merkblätter, Tabellen und Hilfsmittel (Versicherungssumme je nach Personen- und Zimmerzahl).

Fachbegriff: Zeitwert oder Neuwert?

Anders als die Hausratversicherung ersetzt die Privathaftpflicht bei Sachschäden immer nur den aktuellen Wert zum Zeitpunkt des Schadenereignisses: das heisst den sogenannten Zeitwert unter Berücksichtigung der Amortisation (Wertverminderung). Ein typisches Beispiel aus dem Mietbereich: Nehmen wir an, ein Wandbelag mit Dispersion muss nach acht Jahren ersetzt bzw. neu gestrichen werden. Gemäss der paritätischen Lebensdauertabelle von Mieter- und Hauseigentümerverband haben Anstriche wie eben Dispersion eine Lebensdauer von acht oder teils 10 Jahren. Ähnlich ist natürlich auch bei Tapeten, Teppichen oder anderen Bodenbelägen davon auszugehen, dass die Materialien kaum «ewig» halten. Für einen Ersatz oder für Malerarbeiten haftet dann der Mieter nicht mehr. Der Ersatz und damit die Rechnung des Malers fallen so unter das Stichwort normale Abnützung. Für diesen Fall ist weder der Mieter noch die Versicherung haftbar.

Anders wäre der Fall bei kürzerer Wohndauer: Wenn etwa die Tapeten von den Kindern eines Ehepaars bunt übermalt worden sind und sich beim Auszug die Haftungsfrage stellt: Sofern die Tapete bereits nach fünf Jahren ersetzt werden muss, geht ein Teil zulasten des Mieters (eben der Zeitwert). In diesem Fall würde die Privathaftpflicht in die Bresche springen.

Beim Auszug: Was zahlt die Versicherung?

«Weiter ist auch zu beachten, dass eine Haftpflicht vor allem plötzliche, unvorhergesehene Schäden deckt», so Stefan Thurnherr vom VZ. Beispiele dafür sind das Gewürz, das auf das Glaskeramikfeld am Kochherd fällt. Oder: Die Parfümflasche, die dir aus der Hand fällt und die Duschwanne beschädigt. Etwas anders liegt der Fall – jedenfalls in der Versicherungspraxis – bei Schäden, die sich erst allmählich ergeben. Etwa schadhafte Wandbeläge in einem Haushalt, wo intensiv geraucht wird. Die Grenze wäre auch dann erreicht, wenn der Versicherungsnehmer gewisse Schäden sogar bewusst in Kauf nimmt. Das gilt etwa für passionierte Tierfreunde, die bei der Haustierhaltung sehr weit gehen und eine grössere Zahl von Katzen und Hunden bei sich zuhause beherbergen.

Grundsätzlich haben Mieterinnen und Mieter auch die Möglichkeit, eine Rechtsschutzversicherung abzuschliessen. Mietrechtliche Konflikte kommen in der Praxis bekanntlich recht häufig vor. Doch auch hier gilt: Du solltest die Höhe der Prämien und die versprochenen Leistungen sorgfältig prüfen und vergleichen. Für viele Standardfälle stehen dir auch noch Alternativen offen, ganz allgemein mit verschiedenen Anlaufstellen für Mieteranliegen, Rechtsberatungen und Konsumentenschutz.