Nachtruhe Schweiz – was erlaubt ist und was nicht

Kaum etwas ist nervenaufreibender als ein Nachbar, der Sie um den Schlaf bringt. Doch was müssen Sie eigentlich dulden und wann dürfen Sie sich wehren?

Sind wir ehrlich: Wir alle machen hin und wieder ein bisschen Radau. Und solange es auch bei Ihren Nachbarn die Ausnahme ist, werden Sie wohl gerne mal ein Auge zudrücken. Doch was, wenn der Lärm zum Dauerzustand wird und bis tief in die Nacht hineinreicht?

Geltende Ruhezeiten in der Schweiz

Die Nachtruhe ist vielen heilig, dient sie doch der körperlichen und mentalen Erholung vom stressigen Alltag. Sowohl die Nachtruhe als auch weitere Ruhezeiten sind kantonal festgelegt und können leicht variieren. Generell gelten aber folgende Ruhezeiten:

  • Mittagsruhe: werktags zwischen 12 und 13 Uhr
  • Nachtruhe: werktags ab 20 oder 22 Uhr bis morgens 6 oder 7 Uhr
  • Öffentliche Feier- und Ruhetage: ganztags

Falls Sie unsicher sind, welche ortsüblichen Ruhezeiten in Ihrem Kanton gelten, können Sie diese auf Ihrer Gemeinde in Erfahrung bringen. Während dieser Zeiten gilt es nun, Krach zu vermeiden und Rücksicht auf andere Mieter zu nehmen.

Was gilt eigentlich als Ruhestörung?

Lärmbestimmungen, wenn leider auch etwas schwammig formuliert, sind in den Schweizer Gesetzbüchern festgehalten. So besagt der Artikel 684 im Zivilgesetzbuch, dass jedermann verpflichtet ist, sich aller übermässigen Einwirkung auf das Eigentum der Nachbarn zu enthalten und dass alle schädlichen und nicht gerechtfertigten Einwirkungen – wie eben auch Lärm – verboten sind. Das Obligationsrecht Artikel 257f Abs. 2 hält zudem fest:

„Der Mieter einer unbeweglichen Sache muss auf Hausbewohner und Nachbarn Rücksicht nehmen.“

Was nun gerechtfertigter Lärm ist und wo die Grenze zur Rücksichtslosigkeit überschritten wird, das besagt das Gesetz nicht. Hier heisst es nun: den gesunden Menschenverstand einschalten. Wenn Sie beispielsweise am Montag um 17 Uhr ein paar Löcher in die Wand bohren, um Ihre Regale zu befestigen, so ist die Uhrzeit, um dieser Tätigkeit nachzugehen, normal. Sollten Sie Ihrem Wunsch jedoch morgens um 3 Uhr nachgehen, dann handelt es sich hierbei eindeutig um Ruhestörung und Ihre Nachbarn haben das Recht, sich dagegen zu wehren.

Damit Sie nicht in Versuchung kommen, finden Sie wie folgt einige Beispiele dessen, was Sie während der Ruhezeiten unterlassen sollten:

  • Spielen von Schlag- oder Blasinstrumenten
  • Hämmern oder andere laute handwerkliche Tätigkeiten
  • Laute Streitgespräche und knallende Türen während der Nachtruhe
  • Ein nächtliches Bad
  • Ausgelassene Partys bis tief in die Nacht – ausser sie bilden die Ausnahme und Ihre Nachbarn sind informiert und vielleicht sogar zum Mitfeiern eingeladen
  • Bei schreienden Babys allerdings müssen sämtliche Mitbewohner des Hauses die Augen zudrücken: Den Kleinen ist es erlaubt sich lautstark mitzuteilen, da es sich dabei um ihr natürliches Verhalten handelt.

Was tun bei Nichteinhaltung der Nachtruhe?

Sollte Ihr Nachbar es mit seinen nächtlichen Eskapaden übertreiben, gilt es, Ruhe zu bewahren und das Gespräch zu suchen. Sie müssen sich nicht alles gefallen lassen, aber meist hilft ein sachliches und offenes Gespräch weitaus mehr, als entnervtes Sturmklingeln im Pyjama an der Haustür des Lärmverursachers.

Kochen die Emotionen dennoch über und kommen Sie einfach nicht auf einen gemeinsamen Nenner, kann es sinnvoll sein, sich aussergerichtlich zu einigen und einen professionellen Schlichter hinzuzuziehen.

In diesem Sinne vergessen Sie nicht die beiden „Zauberwörter“: Toleranz und Rücksichtnahme – und das Zusammenleben mit Ihren Nachbarn wird sicher zur Erfolgsstory!