Räume wieder zum Lächeln bringen

In der Tat ist bei vielen Objekten ‚Hopfen & Malz verloren‘, das klügste also, gleich alles komplett auszukernen und einen Neuanfang zu wagen. Bevor jedoch das Brecheisen zum Zug kommt, lohnt es, sich kurz die Frage zu stellen ob der Raum denn wirklich gar nichts mehr zu bieten hat. Wenn nämlich ein paar wichtige Eckwerte geben sind, kann sich selbst das hässlichste Entlein wundersam wandeln. Dies mit verblüffend wenigen und kostengünstigen Eingriffen.

Das Problem des Heizens führte noch bis vor wenigen Jahrzehnten zu Räumen mit relativ niedriger Decke und verhältnismässig kleinen Fenstern. Fast gruftartig muten solche Räume oft an, miefig, trist und beengend. Klar will heute niemand mehr so wohnen. Allzu oft geht bei Renovationen jedoch vergessen, dass alte Räume eigene Proportionen und Grundzüge aufweisen und dass es daher oft nicht der richtige Weg ist, einfach mal grössere moderne Fenster einzubauen. So wird damit zwar der Lichteinfall optimiert, der Raumcharakter kann aber komplett auf der Strecke bleiben. Viele reiben sich nach solchen Investitionen die Augen und stellen sich die Frage, weshalb die erwünschte Verbesserung nicht Wirklichkeit geworden ist. Ein heller Raum, welchem durch eine unüberlegte Sanierung die Seele abhanden gekommen ist, ist selten attraktiver – im Gegenteil – er wirkt geradezu verstümmelt. Dies lässt sich gut an Chalets aus den fünfziger Jahren beobachten, welche plötzlich über ausgedehnte Fensterfronten verfügen, die in diesem Zusammenhang wie ein städtisches Schaufenster anmuten. Das hat nicht nur von Aussen einen bizarren Charakter, auch im Innern wirkt dies oft mehr als seltsam. Solche Räume haben ihr Lächeln meist verloren. Es lohnt sich daher, darüber nachzudenken, ob die Grundstruktur nicht erhalten werden kann und mit sanfteren Massnahmen mehr erreicht wird.

Räume können tatsächlich lächeln

Verhältnismässig kleine Räume haben oft ganz gute Proportionen. Die Raumhöhe korrespondiert oft besser mit der Raumbreite und -tiefe als bei modernen Bauten, in welchen hallenartige Lofts zwar auf den ersten Blick toll aussehen aber dem Bewohner ständig das Gefühl vermitteln, sprichwörtlich ‚allein auf weiter Flur zu sein‘. In kleiner strukturierten Räumen kann der Enge insbesondere durch drei Massnahmen entgegen gewirkt werden:

Tipp 1: Türen offen lassen!

Geöffnete Türen lassen Einzelräume zusammenschmelzen und führen zu grosszügigen Blickachsen.

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VORHER: Bedrückende Tristesse durch dunkles Holz und geschlossene Türen.

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NACHHER: Der praktisch gleiche Blickwinkel nach der farblichen Verwandlung und geöffneten Türen.

 

Tipp 2: Wände hell streichen!

Helle Wandfarben lassen Räume grösser wirken und fördern die Reflexion des vorhandenen Lichts. Hier sollte darauf geachtet werden, dass ein gebrochenes Weiss zum Einsatz kommt, sonst wirkt das Helle zu gleissend.

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VORHER: Das Gefühl des Eingesperrtseins entsteht oft dann, wenn die Lichtverhältnisse von Aussen und Innen zur stark voneinander abweichen.

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NACHHER: Die hellen Wände reflektieren den Tageslichteinfall, eine wunderschöne Stimmung entsteht.

 

Tipp 3: Horizontale Laufrichtungen!

Querlaufende Holzverschalungen dehnen den Raum aus, geben ihm eine verblüffende Weite. So verhält es sich auch mit Möbeln, die sich in der waagerechten ausdehnen, besonders geeignet sind Sideboards und schmale Schubladen-Kommoden sowie Sitzbänkchen.

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VORHER: Dunkle Elemente in der Senkrechten betonen die geringe Grösse eines Raumes ungünstig.

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NACHHER: Mit Sideboards lässt sich die Horizontale betonen, das bringt Grosszügigkeit und Weite mit sich.

 

Tipp 4: Viele kleine Lichtquellen!

Einbauspots in der Decke und zusätzlich zahlreiche kleine Schirmlampen bringen angenehme Lichtquellen ohne dass der Eindruck von Sterilität entsteht.