Smart Living im NEST: Das Gebäude der Zukunft

NEST-Architektur (Urheber Roman Keller)

 

Der Innovationsprozess im Bau- und Energiebereich der Schweiz muss beschleunigt werden, indem Forschung, Wirtschaft und öffentliche Hand gemeinsam nachhaltige Technologien, Materialien und Systeme entwickeln und unter realen Bedingungen testen können. Im modularen, 2’500 m2 grossen Experimentalgebäude NEST der Empa und Eawag wird dies seit Mai 2016 umgesetzt.

Mehr Mut zur Innovation

Alle wünschen sich Wohn- und Arbeitsräume, in denen man sich wohl fühlen und gut arbeiten kann und welche die verschiedensten Anforderungen an das Wohnen und Arbeiten optimal befriedigen. Die Realität sieht aber anders aus: Wohn- und Arbeitsräume sind im Sommer überhitzt, weisen im Winter zu trockene Luft auf, statt unter Tagesicht arbeiten viele Menschen im Kunstlicht, zusätzlich mit einer schlechten Raumakustik – aber vor allem weist das Gross der Schweizer Gebäude über ein zu hoher Energiebedarf für Heizen, Kühlen und Warmwasser auf.

Im Rahmen der Energiestrategie 2050 soll der Energiebedarf bis 2035 um insgesamt 40% sinken, gleichzeitig soll die Menge an fossiler Energie sogar auf ein Drittel reduziert werden. Dies bedingt eine grundlegende Transformation des Gebäudeparks der Schweiz, vor allem der rund 1,4 Mio. älteren Gebäude mit ungenügender energetischer Performance.

Die Erfahrung zeigt aber, dass im Baubereich der Weg von der Idee bis zur erfolgreichen Umsetzung am Markt sehr lange und beschwerlich ist. Deshalb bleiben viel zu oft innovative, vielversprechende Konzepte letztendlich auf der Strecke: hohe Baukosten und Ansprüche an die Lebensdauer von Gebäuden von 20 Jahren und mehr hämmen den Mut zu innovativen Lösungen, die ihre Tauglichkeit in der Praxis noch nicht umfassend unter Beweis stellen konnten.

Ein NEST als „Living Lab“

Wohnhaus, Bürogebäude und Versuchslabor in einem: NEST ist ein regelrechtes „Living Lab“. Die darin wohnenden Studenten sind gleichzeitig auch Testpersoen, wer im NEST arbeitet, gehört zur Versuchsanlage!

Das Gebäude besteht aus einer Grundkonstruktion, dem sogenannten Backbone, sowie flexiblen, austauschbaren Gebäudeunits, die nach einigen Jahren Forschung im laufenden Betrieb ersetzt oder aktualisiert werden. NEST schlägt damit eine Brücke zwischen Forschung und Privatwirtschaft, zwischen Ideen, die im Labor funktionieren und Produkten, die im Markt dann tatsächlich erfolgreich sind.

Aus neuen Materialien, Systemen und Einzelkomponenten entstehen unter Verwendung neuer Bauprozesse Lebensräume, in denen Menschen wohnen und arbeiten. Statt unter reinen Laborbedingungen müssen sich die Einzellösungen innerhalb des NEST-Gesamtsystems bewähren. Die stetige Interaktion mit den Bewohnern und und Nutzern ermöglicht eine ganzheitliche Beurteilung neuer Lösungen unter realitätsnahen Bedingungen.

Erste Arbeits- und Wohnwelten in Betrieb

Arbeitsplatz: Wandlungsfähig wie ein Chamäleon

Längst hat sich NEST mit Leben gefüllt. Mit der Eröffnung des Gebäudekerns wurden auch die ersten beiden Units in Betrieb genommen, die ersten Nutzer haben ihre Büros bezogen und die ersten Bewohner sind in die Wohnung eingezogen.

Meet2Create ist eine Büroumgebung, die konzipiert wurde, um Erkenntnisse über die Arbeitswelten der Zukunft zu erlangen.

Gemeinsam mit Wirtschaftspartnern untersuchen Forscherinnen und Forscher der Hochschule Luzern hier Themen wie flexible und diversitätsgerechte Möblierung, personalisierbares Klima am Arbeitsplatz, Tageslichtsteuerung, schalldämpfende Textilien, passive Gebäudetechnik in Sitzungsräumen u.v.m.

 

 

 

 

Faszination Holz – antimikrobielle Holzoberflächen und hydrophobes Holz

 

Die zweite fertiggestellte Unit nennt sich Vision Wood und ist ein Wohnmodul für Studierende. Im Zentrum stehen Innovationen, die dem bewährten Werkstoff Holz neue Funktionen verleihen und dadurch neue Anwendungsmöglichkeiten schaffen.

Die Wohneinheit liefert den Beweis dafür, dass sich mit dem altbewährten Werkstoff zukunftsweisende Lösungen für ökologisches Bauen und ansprechendes Design verbinden lassen, die von antimikrobielle Holzoberflächen über hydrophobes Holz bis hin zu magnetisierbarem Holz oder Bambus-Kompositmaterial und vielem mehr reichen.

Symbol für das Bauen in der Zukunft

Der modulare Aufbau von NEST nach dem Plug & Play Prinzip sieht den Einbau weiterer Units in den nächsten Monaten und Jahren vor. So betrachtet zum Beispiel die Unit „Urban Mining und Recycling“ den Abfall als Quelle für neue Materialien während die Unit „Active Assisted Living“ Assistenzsysteme entwickelt, die den Menschen trotz Altersbeschwerden selbstständiges Wohnen ermöglichen sollen (siehe dazu auch Smart Living im Alter – Alternative Wohnmodelle für moderne Senioren). Mehr über den aktuellen Planungsstand der neuen NEST-Units erfahren Sie hier.
NEST ist eine einzigartige Kooperation zwischen Forschung, Wirtschaft und öffentlicher Hand. Gut 90 Partner unterstützen NEST bis heute. Unternehmen beschleunigen im NEST ihren eigenen Innovationsprozess, Wissenschaftler betreiben im NEST Forschung in Echtzeit, Politik, Behörden und auch Investoren erhalten dank NEST Hinweise auf die zukünftige Ausgestaltung des Bau-, Energie- und Immobilienbereichs.

Quellen und Links mit weiterführenden und interessanten Informationen:

Smart Living ist die neue Lebensphilosophie

In den nächsten Monaten werden wir laufend auf verschiedene Aspekte des Intelligenten Wohnen und Lebens in der Zukunft eingehen. Helfen Sie uns, diese Artikelserie mitzugestalten und verraten Sie uns, ob und wie Sie heute schon smart leben und wohnen, welche Konzepte Sie schon verinnerlichen oder anvisieren möchten und welches Ihre ganz persönlichen Zukunftsvisionen und Ihre Wünsche und Anforderungen an Ihr Zuhause der Zukunft sind!

Bisher erschienene Beitrage der Artikelserie „Megatrend Smart Living“: