Störenfried Nachbar: Was tun, wenn es zu laut wird?

Permanente Ruhestörung durch die Nachbarn kann nervig und anstrengend sein. Es lohnt sich jedoch, nicht gleich die Wand hochzugehen, sondern das Gespräch zu suchen.

Schreiende Kinder, grölende Partygäste und sonntägliches Klaviergeklimper: Nicht ohne Grund gilt Lärm als eine der Hauptquellen für Streit unter Nachbarn. Denn wenn man sich von einem anstrengenden Arbeitstag in seinen eigenen vier Wänden nicht erholen kann, liegen die Nerven schnell blank und vorbei ist’s mit der Nächstenliebe.

 

Wie viel Krach ist erlaubt?

Nicht alles, was laut ist, ist jedoch verboten. Geregelt sind die Lärmemissionen im Gesetzbuch. Dieses besagt, dass unnötiger Lärm zu jeder Zeit verboten ist – also auch tagsüber. Die Frage ist nur, was denn „nötig“ ist und was nicht. Besonders in der Nacht scheint die Toleranzgrenze zu sinken. Welche Arten von Lärm zulässig sind oder nicht, zeigt die folgende Übersicht:

 

  • Kinder müssen spielen können und ganz ohne Lärm geht das nun mal nicht. Aktivitäten wie Fussballspielen sind in der Wohnung aber auch für kleine Messis tabu. Toleranz dürfen Eltern ihren Nachbarn auch bei Babys abverlangen: Diese dürfen nachts schreien, da sie sich noch nicht anders ausdrücken können.
  • Musizieren ist auf Zimmerlautstärke erlaubt. Anderweitiges wird meist im Mietvertrag oder in der Hausordnung festgehalten. In der Regel sind als maximale Spieldauer zwei Stunden vorgesehen.
  • Für Stereoanlagen und Fernseher gilt: bei Zimmerlautstärke kein Problem! Damit Nachbars Wände nicht doch vom wummernden Bass wackeln, sollten die Boxen nicht direkt auf dem Boden platziert und der Subwoofer justiert werden.
  • Haustiere, gross oder klein, dürfen so gehalten werden, dass sie die Nachbarn nicht unzumutbar durch Geräusche, Gebell oder Pfeifen stören.
  • Laute Haushaltsgeräte, Rasenmäher oder auch Hämmern sind tagsüber kein Problem, während der Ruhezeiten aber ein absolutes No-Go. Die ortsüblichen Ruhezeiten variieren leicht von Kanton zu Kanton und können auf der Gemeinde angefragt werden.
  • Solange Feste die Ausnahme bilden, sind auch diese okay – vorausgesetzt, die Nachbarn wurden davon in Kenntnis gesetzt und bestenfalls eingeladen.

 

Was tun bei Ruhestörung?

Wenn Sie sich jedoch immer wieder durch den Lärm Ihres Nachbarn gestört fühlen, sollten Sie nicht mit dem Besen an die Decke hämmern, sondern das Gespräch suchen. Viele Situationen können so entschärft und geklärt werden. Teilen Sie dem lärmenden Übeltäter persönlich und ruhig mit, warum Sie sich in Ihrer Ruhe gestört fühlen. Im Gespräch können Sie viel über die Lebenssituation Ihres Nachbarn erfahren. Vielleicht arbeitet dieser bis spät abends und kann daher nur zu später Stunde duschen oder Wäsche waschen. Vereinbaren Sie gemeinsam Regeln und Ruhezeiten, um weiteren Konflikten vorzubeugen.

Sollten Sie sich nicht in der Lage fühlen, den Konflikt alleine zu lösen, können Sie eine neutrale Drittperson, einen sogenannten Mediator, hinzuziehen. Nicht immer fruchtet eine persönliche Aussprache. In diesem Falle dürfen Sie Ihren Vermieter informieren, der dann das Gespräch mit dem Nachbarn sucht und ihn auffordert, den Lärm zu unterlassen. Sollte dies immer noch nicht zu einer Besserung führen, kann der Vermieter schlimmstenfalls eine Kündigung aussprechen. Als allerletztes Mittel gegen laute Nachbarn gilt die Polizei: Sie kann feststellen, ob der Geräuschpegel zumutbar ist, das Gespräch mit dem Störenfried suchen und gegebenenfalls Ordnungsstrafen verhängen.

Vergessen Sie bei aller Aufregung aber nicht, dass auch Sie ein Nachbar sind. Nehmen Sie daher ebenfalls Rücksicht auf die anderen Bewohner des Hauses und üben Sie Nachsicht. Reduzieren Sie Ihre Tätigkeiten auf Zimmerlautstärke, planen Sie keine Umzüge an Sonn- und Feiertagen und halten Sie die Mittagsruhe ein – so gönnen Sie auch Ihren Nachbarn ein erholsames Nickerchen. Und wenn Sie Ihre Hausgenossen zum nächsten Apéro einladen, kann sogar eine alte Nachbarschaftsliebe wieder aufflammen!