Umgang mit Fledermäusen: Unsere Top-Ratschläge

Fledermaus im Haus oder Rollladenkasten? Oder gar eine ganze Kolonie im Dachstuhl? Hier finden Sie mehr über den Umgang mit Fledermäusen.

Der Umgang mit Fledermäusen ist insofern problematisch, als sie vielen unheimlich sind. Entsprechend ungern hat man sie als Hausgäste. Da hilft die Tatsache, dass die fliegenden Kobolde ganz nett und vor allem schweizweit unter Schutz stehen, auch nicht weiter. Schade. Denn eigentlich könnte man ganz gut mit ihnen auskommen.

Vom Umgang mit Fledermäusen im Haus

Eine Fledermaus verirrt sich selten in Häuser. Aber wenn doch: No panic! Schliessen Sie zuerst die Tür zu den restlichen Räumen. Wenn das Ganze während der Nacht geschieht, löschen Sie anschliessend das Licht und lassen die Fenster geöffnet, damit die Fledermaus den Weg nach draussen findet. Falls sie tagsüber ins Haus gelangt, warten Sie, bis sie irgendwann zur Ruhe kommt. Kommen Sie ihr nicht zu nahe und öffnen Sie nachts die Fenster. Falls das nichts fruchtet, kontaktieren Sie den kantonalen Fledermaus-Beauftragten und lassen sich beraten. Weitere «Irrflieger» kann man allenfalls mit Mückengitter fernhalten.

Vom Umgang mit Fledermäusen im Dachstuhl oder Rollladenkasten

In der Regel sind Fledermäuse nachtaktiv und ziehen sich zum Schlafen in Felsspalten, Baumhöhlen oder in von Menschen gemachte Unterschlüpfe zurück. Zu letzteren gehören Dachstöcke von Gebäuden sowie Spalten und Ritzen von Hausdächern und Gebäudefassaden. Aber auch hinter Fensterläden oder Wandverkleidungen kann man auf Zwergfledermäuse stossen, die diese Verstecke im Frühjahr als Wochenstubenquartier für die Aufzucht ihrer Jungen benützen. Diese darf man nicht vertreiben. Fledermäuse gehören zu den bedrohten Tierarten und sind deshalb geschützt. Erst wenn sie gegen Ende des Sommers ausziehen, kann man allenfalls durch das Verstopfen der Einfluglöcher dafür sorgen, dass sie sich im kommenden Jahr nicht wieder einquartieren.

Eigentlich niedlich, die kleinen Kobolde, die manchmal ab Frühling auf Dachstöcken sowie Spalten und Ritzen von Hausdächern zu finden sind. Bild © Fledermausschutz.ch

Eigentlich niedlich, die kleinen Kobolde, die manchmal ab Frühling auf Dachstöcken sowie Spalten und Ritzen von Hausdächern zu finden sind. Bild © Fledermausschutz.ch

Fledermäuse sind geschützt

Mit 30 nachgewiesenen Arten stellen Fledermäuse in der Schweiz mehr als ein Drittel aller wild lebenden einheimischen Säugetierarten dar und sind somit für die einheimische Biodiversität von grosser Relevanz. Da Fledermäuse zu den bedrohten Tierarten gehören, sind sie bundesrechtlich geschützt. Beim Umgang mit Fledermäusen ist deshalb verboten, sie zu töten, ihre Verstecke zu zerstören oder sie daraus zu vertreiben. Wenn man also kein Bussgeld riskieren will, sollte man Fledermäuse in Ruhe lassen und sich allenfalls mit den Tieren arrangieren. Wer sich damit schwer tut, kann sich ratsuchend an den kantonalen Fledermaus-Beauftragten wenden.

Fledermäuse als wirksamer Mückenschutz

Im Umgang mit Fledermäusen fällt auf, wie angenehm diese sind. Sie nagen nicht an der Bausubstanz, tragen kein Nestmaterial ein und übertragen keine Krankheiten auf den Menschen. Zudem ziehen die Tiere – wenn überhaupt – nur saisonal bei Menschen ein. Gegen Ende August lösen sich die Wochenstuben auf, und die Fledermäuse bereiten sich auf ihren Winterschlaf vor. Zudem sind sie nützlich. Denn in den Sommermonaten fressen Fledermäuse Insekten, und zwar bis zu einem Drittel ihres Körpergewichts. Das entspricht bei den kleinsten Arten etwa 2000 Stechmücken pro Nacht.

Die Kleinste, die Grösste, ein Naturtalent: Facts

Die kleinste Schweizer Fledermaus ist die Mückenfledermaus (Pipistrellus pygmaeus). Der Winzling wiegt kaum 4 Gramm, bringt es aber mit seinem rund 4,5 cm langen Körper auf eine fast unglaubliche Spannweite von stattlichen 20 cm. Die grösste in der Schweiz vorkommende Fledermausart hingegen ist der Riesenabendsegler (Nyctalus lasiopterus). Er ist eher selten, erreicht eine Kopf-Rumpf-Länge von 10 cm, wiegt 70 g und hat eine Flügelspannweite von fast 50 cm. Fledermäuse sind nachtaktiv und schlafen tagsüber. Um sich selbst in absoluter Dunkelheit orientieren zu können, verlassen sie sich auf ihr Echoortungssystem. Damit stellen sie Entfernungen zu Hindernissen fest und peilen Beutetiere an.

Fledermaus-Projekte: Kennenlernen, lieben und beim Schutz mithelfen

Wen es allein schon beim Gedanken an eine Fledermaus innerlich schüttelt, sollte sich vielleicht Zeit nehmen, sie besser kennenzulernen. Denn das Motto «Wer Tiere kennt, wird sie schützen», gilt ganz besonders für Fledermäuse. Es gibt z.B. eine Karte der Schweizer Hotspots für Fledermaus-Exkursionen, um die Tiere bei ihren abendlichen Ausflugzeiten zu beobachten. Oder man geht in den Zürcher Zoo und stösst dort nicht nur auf eine Notstation, wo verirrte Fledermäuse aufgepäppelt werden, sondern ab 18. Juni 2016 auch auf eine interaktive Fledermaus-Ausstellung. Nicht zuletzt findet am letzten August-Wochenende die «Internationale Nacht der Fledermäuse» mit schweizweit über 30 Veranstaltungen statt.

Im Zürcher Zoo werden verirrte Fledermäuse aufgepäppelt. Ein Besuch auf dieser Notfallstation hilft gegen Vorurteile und vereinfacht den richtigen Umgang mit Fledermäusen. Bild © Fledermausschutz.ch

Im Zürcher Zoo werden verirrte Fledermäuse aufgepäppelt. Ein Besuch auf dieser Notfallstation hilft gegen Vorurteile und vereinfacht den richtigen Umgang mit Fledermäusen. Bild © Fledermausschutz.ch

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