Vorsicht: Betrug mit gefälschten Inseraten

In jüngster Zeit häufen sich Betrugsversuche mit Inseraten auf Immobilienportalen. Die Betrüger versuchen mit attraktiven Wohnungsangeboten gutgläubige Private in die Falle zu locken. Folgende Tipps tragen dazu bei, den Kriminellen das Handwerk zu legen.

Von Jürg Zulliger

 

Wenn das keine Traumwohnung ist: Ruhige Lage, mitten in der Altstadt von Zürich. Die Limmat ganz in der Nähe, ruhige Lage und Einkaufsmöglichkeiten gleich um die Ecke. Das erst kürzlich renovierte «Altstadtbijou» ist für 1’100 Franken zur Miete ausgeschrieben. 85 Quadratmeter gross, ohne weitere Einschränkungen, «unbefristete Mietdauer». So steht es im Inserat.

Trick Nr. 1: Betrug mit Vorschuss und Kaution

Die Vermieterin schreibt den Interessenten auch gleich zurück. Sie halte sich derzeit in Spanien auf, ihre Tochter starte eine Ausbildung in Barcelona. Ein Onkel werde sich um die Besichtigung und alle Formalitäten kümmern. Die Vermieterin im Ausland stellt nur eine Vorbedingung: Sie schickt einen Link mit einer Zahlungsverbindung. Der Mieterinteressent soll vorab die geforderte Kaution von 3600 Franken überweisen.

Doch die Wohnungsanzeige, ja überhaupt die hübsche Wohnung entspringen der Fantasie von Kriminellen. Bei dieser Masche handelt es sich um einen Vorschuss-Betrug: Mit gefälschten Wohnungsangeboten wollen die Betrüger an das Geld von gutgläubigen Privatpersonen kommen. Perfid dabei: In vielen Städten, wo eben solche Gelegenheiten rar sind, gehen Private den Betrügern immer wieder auf den Leim. Leider gilt auch: Je verzweifelter jemand auf Wohnungssuche ist, umso mehr gehen die Leute mit Anzahlungen Risiken ein. Die Polizei und Behörden wissen, dass es schon fast für alle erdenklichen Angebote zu solchen Vorschuss-Betrügereien gekommen ist: bei Miet- und Kaufobjekten, öfters aber auch mit Ferienwohnungen, befristet genutzten Appartements oder WG-Zimmern.

Die Abzocker werden immer dreister und professioneller. Teils werden Wohnungssuchende auf gefälschte Websites geleitet: Der ganze Auftritt sieht täuschend echt aus – im Endeffekt läuft es auf den exakt gleichen Trick hinaus. Die Hoffnung auf eine Wohnung zum «Schnäppchenpreis» verleitet zu einer gewissen Sorglosigkeit. Die Leute leisten dann Vorauszahlungen, sie überweisen sogar höhere Beiträge als Kaution. Doch das Geld werden sie nie wieder sehen.

Trick Nr. 2: Phishing übers Internet

Beim zweiten Trick geht es darum, ahnungslose Konsumenten dazu zu verleiten, persönliche Daten und Passwörter preiszugeben. Als Lockvogel dienen auch hier tolle Immobilienangebote. Die Betrüger kontaktieren ihre Opfer per SMS oder E-Mail. So werden die Leute auf eine so genannte Phishing-Website geführt. Diese sind meist dem offiziellen Auftritt seriöser Immobilienplattformen oder von Maklern nachgebildet.

Mit den ergaunerten Passworten und E-Mail Angaben versuchen die Kriminellen, sich Zugang ins E-Banking oder zu anderen Webdiensten zu verschaffen. Denn schliesslich genügen teils schon Name, Mail und Passwörter, um die Eintrittsschwellen zu knacken.

Gleich doppelt arglistig

Solche und ähnliche Machenschaften sind gerade im aktuellen Umfeld doppelt hinterhältig: Es spielt den Betrügern in die Hände, dass aufgrund der Corona-Situation viele Leute von zuhause aus Wohnungen suchen. Da auf persönliche Begegnungen erst einmal verzichtet wird, haben Betrüger erst recht leichtes Spiel. So verlangen sie geradezu unverschämte Vorleistungen – meist natürlich Geld. Dafür versprechen sie die Zustellung von Schlüsseln oder eine persönliche Besichtigung.

Auch hier gilt: Keinesfalls solltest du irgendwelchen Leuten vertrauen und «blind» Geld überweisen. Denn die Betrüger wollen bloss abkassieren und sich dann über alle Berge machen.

Checkliste: «Mit gesundem Menschenverstand suchen….»

  • Zu schön um wahr zu sein: Sei besonders vorsichtig, wenn die Wohnung unschlagbar günstig oder das Angebot sonst nicht plausibel erscheint («4,5-Zimmer in der Stadt Zürich für 1’000 Franken im Monat….»). Dies gilt sowohl für Miet- als auch für Kaufobjekte.
  • Keine eigenen Daten preisgeben: Niemals aufs blaue hinaus Passwörter, Ausweiskopien, Bankangaben etc. preisgeben oder auf nicht geprüften Websiten eintippen.
  • Echtheit prüfen: Gefälschte Inserate verraten sich teils aufgrund von austauschbaren «Katalogbildern», beliebig wirkenden Beschreibungen und Textelementen. Auch ein holpriges Deutsch ist ein Hinweis darauf, dass die Betrüger aus dem Ausland agieren und schlechte Übersetzungsdienste nutzen.
  • Verdächtiges Vorgehen: In der Praxis würde kaum je ein Vermieter auf eine Besichtigung, auf das Ausstellen eines Vertrags etc. verzichten. Sei daher vorsichtig, wenn dir gegen Bezahlung Schlüssel zugestellt werden sollten. Teils wird sogar homegate.ch mit der Schlüsselübergabe in Verbindung gebracht (homegate.ch ist eine Plattform und führt selbst weder Besichtigungen noch übernimmt homegate.ch das Handling von Schlüsseln).
  • Auf korrekten Ablauf achten: Zuerst solltest du prüfen können, wer überhaupt der Vermieter ist (Geschäftsadresse, zuständiger Bewirtschafter, Mietvertrag einsehen). Jeder Interessent hat das Recht, die Wohnung kostenlos und unverbindlich zu besichtigen.
  • Gesunder Menschenverstand: Jeder Vermieter oder Bewirtschafter möchte doch den künftigen Mieter kennenlernen. So ist es branchenüblich, dass persönliche Kontakte und auch Besichtigungen jederzeit möglich sind.
  • Typischer Ausrede «Vermieter ist im Ausland»: Es sollte dich stutzig machen, wenn alles anonym per Mail und Telefon abgewickelt werden soll. Frage kritisch nach, wenn der Absender, Name, Firmenbezeichnung, Mail-Adressen etc. unüblich und unprofessionell wirken.
  • Gesunder Menschenverstand walten lassen: Scheint ein Angebot zu gut, um wahr zu sein, ist es das meistens auch. Wenn du ein schlechtes Bauchgefühl hast, dann sollte dich das stutzig werden lassen.

 

Homegate prüft grundsätzlich sämtliche Inserate, bevor sie aufgeschaltet werden. So gelingt es regelmässig, den Betrügern zuvorzukommen. Dennoch gilt die Devise, sich der Problematik bewusst zu sein und den gesunden Menschenverstand walten zu lassen. Die Immobilienplattformen haben selbst keine Kompetenzen, strafrechtlich oder polizeilich gegen die Betrüger vorzugehen. Wer Verdacht schöpft oder selbst Opfer eines Betrugs geworden ist, sollte sich daher an die zuständige Polizei wenden.