Wände streichen in der Mietwohnung: Ist das erlaubt?

Weisse Wände? Wie öde! Jedes Wohnmagazin weiss: Wer etwas auf sich hält, bringt heutzutage Farbe in die Wohnung. Aber Achtung, bevor es losgehen kann, solltest du ein paar Dinge abklären.

Wer seine Wände streichen lassen oder selbst den Pinsel in den Farbtopf tunken will, der muss ein paar Dinge beachten. Erstens ist Farbe nicht gleich Farbe, und zweitens hat auch dein Vermieter ein Wörtchen mitzureden.

Fast jede Mietwohnung ist heutzutage weiss gestrichen. Das hat durchaus seine Gründe. Eine Wohnung in Weiss erscheint hell, freundlich und grösser als in anderen Farben. Dafür ist der weisse Anstrich nicht unbedingt originell.

Sich eine Farbe an die Wand wünschen

Verständlich, dass sich so mancher andere Farben an die Wand wünscht. Die kleine Luna träumt von einem Zimmer ganz in Rosa, Melanie glaubt an die lebensbejahende Wirkung von Gelb, und Daniel möchte mit einem Ocker einen naturnahen Touch in seine Wohnung bringen.

Die Lehre von der Wirkung der Farben ist eine Wissenschaft für sich. Eine unpräzise obendrein, denn Farben wirken auf jeden Menschen anders. Pauschal kann gesagt werden: Ja, Farben verändern die Wirkung von Räumen.

Welche Wandfarbe hat welche Wirkung?

Während eigentlich nur Schwarz und Rot als Einzelfarbe an der Wand nicht empfehlenswert sind, kann jede andere Farbe eine Wirkung erzielen: Rosa soll tatsächlich beruhigend wirken und empfiehlt sich deshalb – tatsächlich – für Schlafzimmer. Orange lässt (zu) grosse Räume kleiner und dazu gemütlich erscheinen, Gelb (zu) kleine Räume dagegen grösser und zum Wohlfühlen. Beides kann im Wohn- oder Arbeitsbereich nützlich sein. Braun soll – je nach Ton – von beruhigend bis festigend wirken.

Blau entfaltet eine kühle Atmosphäre. Wer leicht fröstelt, sollte die Finger von dieser Farbe lassen. Dagegen ist sie etwas für alle, die schnell einmal zu warm kriegen. Blau lässt kleine Räume grösser erscheinen. Grün und Türkis sind die Superfarben schlechthin: Weil sie weder eindeutig warm noch kalt sind, können sie alles – vom Vitalisieren bis zum Entspannen.

Bei Violett scheiden sich die Geister. Während die einen dessen «edlen» Charakter in repräsentativen Räumen hervorheben, lassen andere kein gutes Haar an der Farbe: Zu niederschmetternd und erdrückend sei sie.

Wand streichen – muss der Vermieter informiert werden?

Vielleicht hast du nun die ideale Farbe für deine Wand gefunden. Aber halt, bevor du in den nächsten Do-it-yourself rennst, gilt es Folgendes zu Bedenken: Das Streichen von Wänden in einer anderen als der weissen Farbe wird von Rechts wegen als ausserordentliche Abnützung der Wohnung eingestuft. Der Vermieter kann deshalb vom Mieter beim Auszug verlangen, die Wohnung wieder weiss zu streichen oder einen Teil der Kosten für die Renovierung der Wände durch einen Maler zu übernehmen. Eine Haftpflichtversicherung wird die Übernahme der Kosten in einem solchen Fall ablehnen.

Wie viel der Mieter für die Renovierung der Wand bezahlen muss, wird aufgrund der von verschiedenen Verbänden herausgegebenen «paritätischen Lebensdauertabelle» berechnet. Diese Tabelle gibt darüber Auskunft, wie gross die normale Abnützung innerhalb einer bestimmten Mietdauer ist. Ein Mieter muss nur für darüber hinausgehende Schäden aufkommen, hier die wegen der unüblichen Farbe aufwendigere Renovierung der Wand.

Ein Wandanstrich auf eigene Faust und ohne Absprache mit dem Vermieter riecht schon von weitem nach Problemen. Deshalb lohnt es sich, im Vornherein eine schriftliche Bewilligung einzuholen. Der Wohnungseigentümer kann das Ansinnen zwar unbegründet ablehnen oder es an Bedingungen knüpfen. Aber er kann eine Einwilligung im Nachhinein nicht mehr zurücknehmen.

Falls der Vermieter mit einem neuen Farbanstrich einverstanden ist, muss er der Mietpartei für einen allfällig entstandenen Mehrwert entschädigen. Als Mieter tust du deshalb gut daran, alle Quittungen deiner Arbeiten aufzubewahren, um beim Auszug bei eventuellen Streitigkeiten etwas in der Hand zu haben.

Wer weiss, vielleicht ist es am Ende gar keine schlechte Idee, die Wände im üblichen Weiss zu belassen. Es könnte sein, dass es  – neben hell und freundlich – auch friedensstiftend wirkt.