Wärmepumpen: Die Energie aus der Tiefe

Wärmepumpen gelten in der Schweiz als wichtiger Teil der Energiewende. Denn erneuerbare, umweltfreundliche Energie ist direkt unter dem Boden, im Wasser oder in der Luft reichlich vorhanden. Moderne Wärmepumpen nutzen diese Energie. Lesen Sie unsere Tipps zu Wärmepumpen – für Neubauten wie für Umrüstungen.

Könnten Sie aus dem Stegreif einem Freund oder einer Freundin erklären, wie Wärmepumpen funktionieren? Im Alltag haben viele Leute mit Wasser- oder Luftpumpen zu tun – aber Wärmepumpen? Versuchen wir es etwas vereinfacht: Der Vorgang bei Wärmepumpen gleicht der Kühlung in Ihrem Kühlschrank zuhause. Kompressoren, die mit Strom betrieben werden, heben die Temperatur an und liefern so Heizenergie für Gebäude.

Varianten von Wärmepumpen

Mittels Erdsonden im Erdreich nutzt man die unter der Erdoberfläche vorhandene Wärme. In einer Tiefe von – je nach Region und Geologie – 250 bis 300 Metern Tiefe ist es selbst an den kältesten Wintertagen oft 5 bis 10 Grad warm. Je nach Typ entziehen Wärmepumpen die Wärme dem Erdreich, dem umliegenden Gestein oder dem Grundwasser. Über ein Medium wird dann die Energie an die Oberfläche respektive in die Heizungsanlage geleitet.

  • Sole-Wasser-Wärmepumpe: Eine Sonde in 50 bis 300 Metern Tiefe holt die Wärme aus dem Untergrund.
  • Wasser-Wasser-Wärmepumpen: nutzt Wärme aus Grund- oder Oberflächenwasser.
  • Luftwärmepumpen: Diese Pumpen entziehen der Umgebungsluft Wärme und erfordern keine Bohrung.

    Die neue Wärmepumpe lässt sich bei der Steuer abziehen.

    Wärmepumpen schöpfen Energie aus dem Boden, aus dem Grund- oder Seewasser. Oder wie hier ganz einfach aus der Umgebungsluft. (Bildquelle: FWS)

Wärmepumpen: «Was muss ich wissen?»

Besonders nachhaltig und effizient sind Wärmepumpen, die die Energie aus dem Untergrund schöpfen (Sole-Wasser). Wie immer bei Themen rund um Bau, Energie und moderne Gebäudetechnik ist eine gute Planung die halbe Miete: Was ist am betreffenden Standort überhaupt möglich? Andreas Baumgartner, Senior Consultant beim Ingenieurunternehmen Amstein + Walthert, sagt dazu: «Gerade in bereits dicht bebauten Wohnzonen ist genauer zu prüfen, unter welchen Voraussetzungen sich eine Umrüstung auf eine Wärmepumpe umsetzen lässt.» Dabei sind unter anderem die teils engen Platzverhältnisse zu berücksichtigen. Wer sich für die etwas teurere, aber nachhaltige Variante Sole-Wasser entscheidet, muss folgendes bedenken: Kann auf dem Grundstück eine Sondenbohrung durchgeführt werden? Ist es für den Installateur und die Bohrfirma ohne weiteres möglich, alles benötigte Gerät und alle notwendigen Installationen auf der Parzelle zum Einsatz zu bringen?

Zur Planung gehört im Voraus natürlich auch die Budgetierung. Heute informieren sich viele Bauherrschaften erst einmal auf dem Internet oder in Katalogen. «Schon möglich, dass eine Wärmepumpe an sich zu einem Preis von vielleicht 12’000 Franken gekauft werden kann», so Experte Baumgartner. Doch mit allen Anpassungen, baulichen Massnahmen, Anschlüssen, ggf. Sondenbohrung etc. taucht bei der Schlussabrechnung rasch einmal eine wesentlich höhere Zahl auf. Als Faustregel für ein Einfamilienhaus gilt eine Grössenordnung von ca. 30’000 bis 55’000 Franken für die Planung, Installation, die Wärmepumpe und Erdwärmesonden-Bohrung; für grössere Gebäude und Mehrfamilienhäuser oder bei besonderen geologischen Anforderungen kann es auch teurer werden.

Wärmepumpen: Die wichtigsten Tipps für Sie

Wärmepumpen: Im Neubau haben sie in der Schweiz bereits einen Marktanteil von rund 90 Prozent. (Bild: FWS)

  • Bewilligung: Eine Wärmepumpe mit Erdsonde muss in der Regel dem Kanton gemeldet werden und bedarf einer Bewilligung. Aussen aufgestellte Luft-Wasser-Wärmepumpen bedürfen einer Baubewilligung mit Lärmschutznachweis.
  • FWS-Gütesiegel: Es gibt ein Gütesiegel für geprüfte Wärmepumpen, aber auch für Bohrfirmen. Abzuraten ist von einem Kauf irgendeines Produkts über das Internet, weil dabei Service und Garantie meist zu wünschen übrig lassen. Fachverband Wärmepumpen FWS
  • Anerkannte Partner: Auf der Website findet sich auch ein Verzeichnis von einigen Hundert Installateuren, Lieferanten und Planern. Fachverband Schweiz
  • Beratung: Wenden Sie sich an die Energieberatungsstellen in Ihrer Gemeinde oder in Ihrem Kanton. In den meisten Kantonen gibt es für die Umrüstung auf erneuerbare Energie finanzielle Anreize und Möglichkeiten zum Steuerabzug. – Fragen Sie in Ihrem Kanton nach oder besuchen Sie die Website: energiefranken.ch
  • Planung: Planung, Auslegung und Montage stellen hohe Anforderungen. Achten Sie darauf, dass das Gebäude nicht unnötig viele Verluste verursacht (Fassade und Fenster erneuern etc.). Idealerweise sollten die Gebäudehülle (Isolation), die Vorlauftemperatur der Heizung und die Wärmepumpe gut zusammenspielen. Fragen Sie Ihren Energieberater oder Installateur!
  • System-Modul: Der Branchenverband FWS, Energie Schweiz und weitere Partner haben das Wärmepumpen-System-Modul geschaffen. Insbesondere für kleinere Anlagen bei Privaten sichert die Zertifizierung die Qualität und das richtige Zusammenspiel der einzelnen Komponenten. Siehe dazu: Systemmodul
  • Photovoltaik (PV): Prüfen Sie, ob Sie die Wärmepumpe mit selbst produziertem Solarstrom kombinieren können. Grundsätzlich lässt sich der selbst produzierte Solarstrom vom Dach in Batterien speichern. Das spart Kosten für den Einkauf von Netzstrom – und ist ein grosser Schritt in Richtung Nachhaltigkeit.

Schweiz an der Spitze

Übrigens: Hätten Sie gewusst, dass die Schweiz bei den Wärmepumpen ganz vorne an der Weltspitze ist? – Keine andere Nation hat pro Quadratkilometer Land so viele Wärmepumpen installiert wie wir! Führend ist die Schweiz auch beim Anteil Wärmepumpen im Neubau. Stephan Peterhans von der Fachvereinigung Wärmepumpen FWS sagt dazu: «Im Neubau haben Wärmepumpen als Heizsystem einen Marktanteil von etwa 90 Prozent.» Im internationalen Vergleich ist dies ein absoluter Spitzenwert. Nach der FWS-Statistik sind 2017 in der Schweiz 19’995 Wärmepumpen verkauft worden.

Wärmepumpen sind sehr effizient und nachhaltig: Aus einem Drittel Antriebsenergie, zum Beispiel Strom, liefen sie 100 Prozent Nutzwärme. (Bildquelle: FWS)