Wandgewand schafft Charakter

Weshalb strahlen gewisse Räume Charme und Würde aus und andere nicht? Einrichtungsprofis wissen längst: Mit Wandverkleidungen wird einem Raum mehr Charakter verliehen als mit der Einrichtung als solches. Was in vielen Ländern eine Selbstverständlichkeit ist, wird hierzulande erst richtig entdeckt: Die Investition in attraktive Tapeten und Holzverschalungen.

 

Für einen Amerikaner, Engländer, Belgier oder Bürger skandinavischer Länder müssen Schweizer Wohnungen wie Rohbauten anmuten. In ihrer Heimat wird lange vor den Möbeln erst einmal in attraktive Wandverkleidungen investiert. Seit der Landhausstil Einzug hielt, verbreitet sich diese Art des Innenausbaus auch hierzulande mehr und mehr. Der Weg zum Schreiner endet für zahlreiche Bauherren jedoch nicht befriedigend. Viele Holzspezialisten sind mit  der Herstellung dieser Landhaus Profile mit den typischen Fugenrippen nicht vertraut und stossen auch beim Verbauen an ihre Grenzen. Das auf Interiorausbildungen spezialisierte KNOW HOW-Bildungszentrum für Gestaltung im zürcherischen Wangen engagiert daher für die Praxislektionen jeweils einen deutschen Beadboard-Spezialisten. Dies mit dem Ziel, dass die künftigen HOME STYLISTEN die Möglichkeiten der Raumverwandlung 1:1 am Objekt erlernen. Auch diese angehenden Einrichtungsprofis zeigten sich erstaunt, welche Wandlung ein Raum nach dem Einsatz von Holzverschalungen – idealerweise mit schönen Tapeten kombiniert – vollzieht.

Selbst kahle leblose Wände werden durch diese Art der Gliederung richtiggehend zum Leben erweckt. Oft kann in der Folge auf Bilder verzichtet werden, da die Wandgestaltung dem Raum bereits einen einzigartigen Charakter verleiht.

Den einstigen Schlossherren abgeguckt

Zu der rein funktionalen Aufgabe einer Täfelung kam schon in der Renaissance auch der Aspekt der Raumdekoration dazu. Das Holz wurde mit verzierenden Schnitzereien und Intarsienarbeiten versehen, oft auch bemalt oder sogar vergoldet. Vor allem Skandinavien, England und Norddeutschland waren dabei künstlerisch führend. Eine besonders aufwändige und kunstvoll gestaltete Vertäfelung wird nach ihren Vorbildern im französischen Schlossbau des 17. und 18. Jahrhunderts auch Boiserie  genannt. Diese historischen Vorbilder muten jedoch in Neubau-Häusern oft zu klassisch an und wirken in ihrer Opulenz schnell einmal aufgesetzt. Die Beadboard-Optik hingegen ist zugänglicher. Sie erinnert eher an einen ländlich geprägten Wohn- und Lebensstil, an ein Bootshaus am See oder das Ferienhaus im hohen Norden und integriert sich daher bedeutend einfacher.

Die ursprüngliche Funktion von Wandverkleidungen war die Wärmeisolierung von Stein- und Holzhäusern in kälteren Regionen.

 

Wandverkleidungen in Nut- und Federoptik sind deshalb untrennbar mit dem angelsächsischen und skandinavischen Einrichtungsstil verbunden. Dieser Ansatz passt sich der mitteleuropäischen Architektur oft besser an, als das dies herrschaftlichen Ausführungen tun.

VORHER: Charakterlosigkeit

NACHHER: Charme und Wärme

Noch mehr Stimmung durch Wandlicht

Ein weiterer Vorteil von Wandgewändern ist der praktische Nutzen. Neben der Wärmeisolation und dem Schutz der Wand kann hinter einer Wandverschalung der ganze Kabelsalat verborgen werden, was den Einsatz von attraktiven Wandleuchten einfach macht.

Diese werfen das Licht vertikal nach oben und unten, was einem Raum bedeutend mehr Stimmung verleiht als diffuses Streulicht.

Auf diese Weise entsteht ein Zusammenspiel zwischen Tapete, Beadboards und Beleuchtung – der Raum hat Charakter und Charme obwohl sich unter Umständen noch kein einziges Möbel darin befindet.

Auch im Flurbereich sind beadboards eine wunderbare Möglichkeit dem Raum Charme zu geben, ohne Platz zu verlieren. Bildquelle: beadboard.de

Die Gestaltung von Treppenhäusern stellt eine besondere Herausforderung dar – Wandgewänder sind hier eine platzsparende Möglichkeit.
Bildquelle: beadboard.de

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