Webinar Homegate Connect #2

Beim zweiten Homegate Connect Live Webinar für Profis von Profis, das am 05.05.2020 stattfand, wurde über Perspektiven im Tagesgeschäft in aussergwöhnlichen Zeiten und die Zukunft des Immobilienmarktes diskutiert. Was ist die richtige Strategie in der Krise? Wie sind die Stimmen der Verbände? Ausblick in die Zukunft?
Hier geht’s zur Aufzeichnung

Wir haben einige interessante Fragen, welche direkt während dem Webinar von den Zuschauern gestellt wurden, für Sie beantwortet:

Wie könnten zukünftig Home-Office Modelle aussehen? Wieviel % ist produktiv?
Wie Rotationsprinzip, fixe Tage wo alle da sein müssen? Grösse der Büroflächen werden grösser? Flexibler? Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt = mehr m2 oder Home-Sharing Modelle denkbar = Co-Living neugestalten?

Frau Béatrice Schaeppi, Schaeppi Grundstücke Verwaltungen KG:
Dies ist schwierig zu beantworten. Ich bin der Meinung, dass 1-2 Tage Home-Office sehr produktiv sein können. Es hängt aber sicherlich auch vom einzelnen Mitarbeiter ab. Wie gut kann er damit umgehen. Es gibt solche, die arbeiten produktiver in einer ruhigen Umgebung zu Hause und andere die arbeiten produktiver im Büro. Bei den grossen Bewirtschaftern hat sich das Home-Office i.d.R. bei 1 Tag pro Woche eingependelt. Der soziale Kontakt darf nicht unterschätzt werden und das sich persönlich sehen bei Sitzungen hilft oft auch um zwischen den Zeilen weitere Dinge zu deuten. Wir gehen davon aus, dass die Büroflächen allenfalls bei diversen grösseren Unternehmungen reduziert werden, weil sie mehr Home-Office machen und daher weniger Flächen benötigen. Damit werden sie flexibler, nicht mehr jeder Mitarbeiter hat sein Arbeitsplatz. Dies wird aber nicht von heute auf morgen seine Auswirkungen zeigen, dafür braucht es etwas Zeit. Auswirkungen auf den Wohnungsmarkt sehe ich keine. Allenfalls wird die Wohnqualität höher gewertet, dass hier aber infolge Home-Office Veränderungen auftreten glaube ich nicht. Eher infolge Verdichtung und Zuwachs der Bevölkerung.

Gratulation Frau Schaeppi. Weiterhin das Home-Office nach Corona zu pflegen hat auch Auswirkung auf unsere Ressourcen (weniger Verkehr, weniger Energieverbrauch, weniger Kinderbetreuung usw.). Ich finde dies eine grosse Chance.

Frau Béatrice Schaeppi, Schaeppi Grundstücke Verwaltungen KG:
Vielen Dank. Ja, ich erachte es ebenfalls als eine Chance etwas für die Umwelt zu tun – unseren Fussabdruck zu verringern und gleichzeitig auch unsere Attraktivität als Arbeitgeberin zu erhöhen.

Herr Marbet, was waren für Sie die Wichtigsten resp. ersten Schritte hin zur Digitalisierung in Ihrem Immobilienunternehmen? Welche haben sich im Nachhinein als die effizientesten Schritte herausgestellt?

Herr Christian Marbet, Marbet Immobilien AG:
Zentrale Datenbank, wo alle Daten – insbesondere auch E-Mails – abgespeichert sind und wo alle darauf Zugriff haben (mit gewissen Einschränkungen natürlich). Dann braucht es eine gute Software (am Besten mit der Möglichkeit Workflows zu erstellen) und einen Partner, der unsere Branche versteht. Nun braucht es das Mittragen durch alle Angestellten = kein Papier mehr, alles einscannen und wegwerfen, usw. Hinzu kommt die Digitalisierung von Prozessen, z.B. Anmeldeformulare usw. und das Einrichten von Workflows.
Die zentrale Datenbank für alle ist sicher am Anfang der effizienteste Schritt. Nun sind es mehr und mehr die Workflows mit denen Arbeiten von einer zu anderen Person «digital» verschoben werden können.

Auswirkung von Corona auf die Immobilienpreise: Wie sehen Sie die Gefahr bei den Selbständigen (Einzelfirmen und juristische Personen), welche bereits vor der Krise ihre Probleme hatten und nun erst recht. Viele werden in die Insolvenz gehen müssen. Da gibt es bestimmt viele, die Geschäftsliegenschaften und auch Private Liegenschaften besitzen, welche auf den Markt kommen werden. Wird dies einen grossen Druck auf die Immobilienpreise geben?

Herr Ruedi Tanner, Schweizer Maklerkammer SMK, Wirz Tanner Immobilien AG:
Bei den Geschäftsliegenschaften, die für ihre Branchen nicht an Premiumlagen liegen, ist mit diesem Trend sicher zu rechnen. Auch Anlageimmobilien von Privaten können davon betroffen werden. Nach wie vor sind aber solide finanzierte Wohnliegenschaften an zentralen Lagen ein rares Gut und werden durch eine mögliche Verringerung der Mobilität sicher nicht an Wert verlieren. Panik ist da also ein schlechter Ratgeber und wir empfehlen zuerst die verschiedenen Szenarien durchzuspielen bevor voreilige Entscheide gefällt werden.

Die Auswirkung auf die Maklertätigkeit wird sich erst später auswirken. Verkäufe von bestehenden Immobilien auf dem Markt finden weiterhin statt, auch Besichtigungen mit den notwendigen Regeln werden durchgeführt und auch die Notare (hier in Zug) arbeiten. Was schwieriger ist, ist die Akquise von neuen Objekten, da sind die Eigentümer immer noch abwartend. Deshalb sehe ich die Auswirkung auf den Markt zeitversetzt.

Herr Ruedi Tanner, Schweizer Maklerkammer SMK, Wirz Tanner Immobilien AG:
Der Immobilienmarkt hinkt der realen Entwicklung immer etwas hinterher. Kauf- und Verkaufsentscheide werden widerspiegeln oft auch die aktuelle Gefühlswelt und da wollen wir doch erst einmal die Entwicklung in den nächsten zwei Monaten in Europa abwarten bevor wir auf eine von den Medien und der Politik geschürte Meinung aufspringen.

Was waren bei der Umstellung des Personals auf Home-Office Modus die grösste Herausforderung?

Frau Béatrice Schaeppi, Schaeppi Grundstücke Verwaltungen KG:
Da wir noch nicht voll digital sind, musste der Informationsfluss richtig laufen, daher müssen diejenigen, die im Büro sind, denjenigen die zu Hause sind zudienen und Unterlagen einscannen und schicken. Zudem sicherlich auch die technischen Komponenten – Sitzungen via Teams / Zoom etc. Bis dies bei allen wirklich eingerichtet war und funktioniert hat.

Wie hat sich während den letzten Monaten die Besichtigungen im Bezug auf die virtuellen Möglichkeiten entwickelt?

Frau Béatrice Schaeppi, Schaeppi Grundstücke Verwaltungen KG:
Nicht gross. Wir hatten die Tools für virtuelle Besichtigungen bereits im Einsatz und auch immer wieder verwendet. Die Kosten für virtuelle Besichtigungen sind höher und nicht alle Eigentümer sind bereit diese Kosten zu tragen.

In welchen Bereichen sehen Sie in der Maklertätigkeit weitere Hürden im Zusammenhang mit der Digitalisierung / virtuelle Besichtigungen usw. ?

Herr Ruedi Tanner, Schweizer Maklerkammer SMK, Wirz Tanner Immobilien AG:
Die Frage stellt sich grundsätzlich, ob ich die Digitalisierung als Hürde oder als Partnerin betrachte. Die virtuelle Besichtigung ist wichtig, um einen ersten Eindruck zu gewinnen, mit digital vorhandenen Daten können auch erste Kalkulationen gemacht werden. Das Herunterbrechen auf die persönliche Situation der Verkäuferin oder des Verkäufers entsteht im gemeinsamen Gespräch. Eine Immobilien wird zudem über alle Sinne wahrgenommen und da wird auch weiterhin viel Mensch drinbleiben!

Welche Wertsegmente beim Immobilienkauf sind Ihrer Einschätzung nach am meisten von der Krise betroffen (günstiges Segment vs Luxusbereich)?

Herr Ruedi Tanner, Schweizer Maklerkammer SMK, Wirz Tanner Immobilien AG:
Die Krise wird natürlich in den Segmenten mit der grössten Preiselastizität auch am besten wahrnehmbar sein. Dies betrifft insbesondere den Luxus- und Zweitwohnungsbereich und die Regionen mit einer stark schwankenden Wirtschaftsdynamik. In urbanen ehr auf Staatsdienstleistungen ausgerichteten Regionen wird dies kaum spürbar sein.