Welche Gegenstände dürfen ins Treppenhaus?

Ein Paar weisser Schuhe befindet sich auf einer Treppe mit dunklen Stufen in Seitenansicht.

Treppenhäuser bieten vermeintlich Platz für Gegenstände, die wir lieber nicht in der Wohnung hätten: Schuhe, Kinderwagen oder Velos. Von Rechts wegen sind diese Dinge im Treppenhaus aber nicht erlaubt – oder nur mit Genehmigung des Vermieters.

Wer ab und zu Treppenhäuser von innen sieht, weiss, dass sich dort öfter mal Gummistiefel und Turnschuhe stapeln, Papier- und Kartonbündel auf den Tag der Entsorgung warten, oder in irgendwelchen Behältnissen irgendwelche Utensilien aufbewahrt werden. Bei dir sieht es ähnlich aus? Für dich ist das aber gar kein Problem?

Mag sein. Der Gesetzgeber hat jedoch eine klare Meinung zu Gegenständen in Treppenhäusern: Mieter und Mieterinnen dürfen nur über einen Bereich frei verfügen – ihre Wohnung. Im Treppenhaus darf nicht nach Lust und Laune geschaltet und gewaltet werden.

Sicherheit im Treppenhaus: Diese Regeln gelten

Was auf den ersten Blick nach «Tüpflischiss» klingt, hat seinen Grund in Sicherheitsbestimmungen. Die schweizerischen Brandschutzvorschriften verlangen, dass Treppenhäuser in jedem Fall als Flucht- und Rettungswege benutzt werden können. Sie müssen frei und sicher zu begehen sein und dürfen keinem anderen Zweck dienen als dem Zugang zu den Wohnungen.

In einem Mietshaus sind oft keine anderen Fluchtwege als die Treppenhäuser vorhanden. Im Fall eines Brandes verlassen die Bewohner ihre Wohnung über das Treppenhaus. Feuerwehrleute und Sanitäter leisten ihren Einsatz meist ebenfalls über das Treppenhaus. Ausserdem soll vermieden werden, dass sich Feuer oder Rauch durch herumliegende Gegenstände im Treppenhaus verstärkt respektive entwickelt. Der dekorative, plüschige Ohrensessel deiner Grossmutter? Leider nein.

Das Treppenhaus soll nicht nur frei von Gegenständen sein, sondern noch weiteren Anforderungen genügen: Oberflächen dürfen nicht brennbar sein, und die Fluchtwegbreite muss mindestens 1,20 Meter betragen. Definierte Brandabschnitte, also baulich abgegrenzte Bereiche, verhindern, dass sich das Feuer weiter ausbreitet.

Was darf im Treppenhaus abgestellt werden?

Fussmatten vor der Haustür werden im Allgemeinen toleriert. Schuhkästen aus nicht brennbarem Material (bis 0,2 Kubikmeter) oder Bilder dürfen im Treppenhaus aufgehängt werden, sofern die Fluchtwegbreite eingehalten wird.

Wo es niemanden stört und die Fluchtwege nicht behindert werden, kann der Vermieter weitere Gegenstände im Treppenhaus erlauben. Am besten hält er in diesem Fall die Regelung (ebenso wie jene zur Nutzung von Veloraum oder Waschküche) in einer vernünftig und sachlich begründeten Hausordnung fest.

«Stillschweigend» Gegenständen im Treppenhaus zustimmen

Obwohl Mieter und Mieterinnen ihre Siebensachen also nur mit Zustimmung der Vermietung im Treppenhaus lassen dürfen, muss diese nicht «ausdrücklich» sein, sondern kann auch «stillschweigend» erfolgen.

Wenn die Kinderschuhe der Meiers vor der Tür stehen und Familie Müller ihre Yucca-Palme auf dem Zwischenboden deponiert, dann signalisiert das die «stillschweigend» Genehmigung von Tretern und Palme durch den Vermieter. Allerdings kann der Vermieter seine Zustimmung aus feuerpolizeilichen Gründen widerrufen, oder wenn sich andere Mieter an den Gegenständen im Treppenhaus stören.

«Political Incorrectness» im Treppenhaus?

Obwohl es unser Rechtsempfinden verletzt: Der Vermieter ist nicht verpflichtet, seine Vermieter gleich zu behandeln. Akzeptiert er den Puppenwagen von Lara aus dem unteren Stock, muss er deswegen nicht unbedingt dein Longboard im Treppenhaus dulden.

Ändert ein Vermieter seine Meinung bezüglich der Gegenstände im Treppenhaus von heute auf morgen, können die Mieter auf Gewohnheitsrecht pochen. Wenn du Anordnungen bezüglich Gegenständen im Treppenhaus nicht nachvollziehen kannst, solltest du diese jedoch nicht einfach ignorieren.

Dir diesbezüglich zu künden, ohne dass vorher eine Mahnung ausgesprochen worden ist, wäre zwar wohl nicht rechtens. Zeigt sich ein Mieter jedoch über längere Zeit und trotz erfolglosen Mahnungen weiterhin uneinsichtig, darf der Vermieter eine Kündigung aussprechen. Solche Streitfälle sind a) aber Ermessenssache, und b) suchst du das Gespräch mit dem Vermieter sowieso besser, bevor bereits Feuer unter dem Dach ist.

Wo Kinderwagen & Co. deponieren, wenn nicht im Treppenhaus?

Dass ein Kinderwagen im engen Eingangsbereich eines Treppenhauses stört, ist nun einzusehen. Was aber, wenn keine anderen Abstellplätze für Velos, Spielgeräte und Ähnliches zur Verfügung gestellt werden?

Die Sache ist nicht eindeutig. Allgemein gilt aber: «Wie gesehen, so gemietet». War bei der Wohnungsbesichtigung kein Dreiradparkplatz vorhanden, dann kann nach Bezug der Wohnung auch keiner verlangt werden. Es lohnt sich also, die Frage nach möglichen Parkgelegenheiten für Kinderwagen und Velos zu stellen, bevor du den Mietvertrag zu deiner neuen Wohnung unterschreibst.