Wie viel Kinderlärm ist erlaubt?

Als ob es nicht schon genug wäre, wenn ein Kind die ganze Nacht durchschreit, melden sich auch noch die Nachbarn und reklamieren. Wie viel Kinderlärm muss toleriert werden? Wir geben dir einen Überblick.

Kinder dürfen alles, was zu einem normalen Kinderleben gehört: also trampeln, schreien, Dinge durch die Luft werfen und Rutschauto fahren. Auch der Besuch von lauten Spielkameraden und das Feiern von Kindergeburtstagen ist erlaubt. Denn es gibt kein Recht auf absolut ruhiges Wohnen. Das Mietrecht verlangt jedoch Rücksicht von allen Bewohnern, denen mit und denen ohne Kinder. Die Nachbarn müssen den Lärm der Kinder grundsätzlich tolerieren. Gleichzeitig sollten Eltern aber auch möglichst Rücksicht auf Ruhebedürfnisse der Nachbarn nehmen.

Schreiendes Einhorn: Ärger mit den Nachbarn programmiert. (Freepik.com)

Ruhezeiten sind verpflichtend

Als Ruhezeiten gelten die Mittagsstunden und die Nachtstunden nach 22 Uhr. Es kann aber auch sein, dass im Mietvertrag örtlich verschiedene Ruhezeiten vorgeschrieben werden. Es lohnt sich, den Mietvertrag genau anzuschauen. Während diesen Ruhezeiten gilt es grundsätzlich, Lärm möglichst zu vermeiden. Aber auch hier kann natürlich nicht ausgeschlossen werden, dass die Kinder auch während dieser Zeit schreien. Dies gilt nicht als Verletzung der Pflicht zur Einhaltung der Ruhezeiten. Übrigens. Solltest du in deinem Mietvertrag eine Klausel finden, die Kündigungen für den Fall von Nachwuchs vorsieht, kannst du diese ignorieren. Diese wäre eine grobe Verletzung der Persönlichkeitsrechte und als solche nichtig (vgl. Art. 271a Obligationen-Recht).

Raus an die frische Luft

Auch wenn den Kindern grundsätzlich alles, was zum normalen Kinderleben gehört, erlaubt ist, gilt es, den gesunden Menschenverstand walten zu lassen. Fussballmatches sollten beispielsweise trotzdem besser draussen veranstaltet werden. So schont ihr nicht nur Mobiliar und Wohnung, sondern die Kleinen können auch Gleichalterige treffen und frische Luft tanken. Und wenn bei Regenwetter ein Booby-Car-Rennen nach drinnen verlegt werden muss: schraube weiche Räder an, die nicht zu viel Lärm auf dem Boden machen.

Nicht nur laut, sondern will auch nicht hören: typischer Jugendlicher (Freepik.com)

Auch Musik ist erlaubt

Kinder dürfen auch in der Wohnung ein Instrument erlernen. Einwände können höchstens bei Trompeten oder Schlagzeugen gemacht werden. Ruhezeiten müssen hierbei jedoch strikt eingehalten werden und es sind maximal drei Stunden Üben pro Tag erlaubt.

Was tun, wenn dich die Nachbarskinder stören?

Wenn dich die lauten Nachbarskinder stören, suchst du am besten das Gespräch mit der Familie. Du wirst staunen, wie viele Ärgernisse sich im direkten Gespräch aus der Welt schaffen lassen. Erkläre ruhig und sachlich, was dich am allermeisten stört. Hierbei ist es wenig hilfreich, dich einfach generell aufzuregen. Versuche stattdessen, darauf hinzuweisen, was dich genau stört. Sinnvoll ist es, gemeinsame Abmachungen zu treffen und festgehalten, was künftig geändert werden soll. Gib deinen Nachbarn Zeit, um etwas am Problem zu ändern. Sollte ein Gespräch keine Besserung bringen, hast du natürlich auch die Möglichkeit, deine Verwaltung zu kontaktieren. Dies sollte aber nur als letzter Ausweg gewählt werden.

Darf lärmigen Familien gekündet werden?

Wegen Kinderlärms im normalen Rahmen darf einer Familie nicht gekündigt werden. Bei sehr schwierigen Fällen, in welchen sich die Mieterpartei nicht an die geltenden Regeln halten will und unter den Parteien keine Einigung gefunden werden kann, ist es möglich, dass ein Vermieter keinen anderen Aufweg sieht. Aber: wird einer Familie gekündigt, weil ein Kind zu viel Lärm macht, kann die Kündigung vor die Schlichtungsbehörde gezogen werden. Diese versucht, eine Einigung zwischen den Parteien zu finden.