Wieso wir bei Trends gerne zurückschauen

Kennen Sie das, Sie freuen sich auf die neuen Trends und merken dann, dass dieses Neue irgendwie schon mal da war. Erfahren Sie hier weshalb das so ist, und wieso Sie sich trotzdem auf Neues freuen können.

Ich werde oft gefragt was denn grad so im Trend ist, in Sachen Wohnen und Einrichten. Wenn ich dann sage, dass wir gerade das Midcentury feiern, oder die Seventies sich breit machen, dann kommt gerne die gleiche Antwort: «Denen kommt auch nicht mehr Neues in den Sinn». Das  stimmt nicht ganz. Erstmal werden Trends nicht einfach von bestimmten Personen kreiert – Trends entstehen ganz von alleine. Sie sind immer ein Spiegel der Zeit und des allgemeinen Befindens. Dabei herrschen stets das gleiche Gesetz: Geht es uns gut, dann wird ausprobiert und Unkonventionelles setzt sich durch. Sind die Zeiten härter setzt man auf Tradition, Klassik oder Glamour. Bei allem Neuen aber ist die Vergangenheit eine wichtige Mitspielerin. Sie bringt die Sehnsucht mit, und diese gehört immer dazu, wenn es darum geht Neues zu schaffen. (Möbel und Wohnaccessoires von Artiana)

Romantik forever

Eine der wichtigsten Sehsüchte ist die nach der Romantik. Mit Romantik verbinden wir Ideale und Unerreichbares. Die Idee etwas zu idealisieren ist denn auch die Essenz der Romantik. All das, was wir denken, das dazugehört, wie etwa ewige Liebe, Kerzenlicht oder heile Welt sind persönliche Interpretationen, die auch beim Rinrichten eine zentrale Rolle spielen. So haben denn Trends, die ins englische Cottage oder in Omas gute Stube entführen viel mit dieser Sehsucht nach Romantik zu tun. Dazu gehört zum Beispiel die Rückkehr der Blümchentapete. Was aber  bei jedem Wiederauftauchen von etwas bereits Dagewesenem gilt: Es kommt immer anders als man denkt! So sind Blümchentapeten heute moderner, gewagter, grossflächiger, auch mal bunter oder poppiger oder zeigen gar Digitaldrucke von alten Blumenbildern. Diese lineare, grossflächige Blumentapete ist von Farrow and Ball.

Flirt mit den Fifties

Der wichtigste Wohntrend, der schon mal da war ist die Liebe zu den Fünfziger Jahren. In der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg geschah nämlich eine kleine Wohnrevolution. Wohnraum musste her und es entstanden viele Mehrfamilienhäuser mit Mietwohnungen. Diese Mietwohnungen vertrieben die Einfamilienhäuser als häufigste Form von Wohnraum. Man wünschte sich aber trotzdem all das, für das man in einem Haus Platz hatte. So entstanden leichtere, unkompliziertere und praktischere Möbel. Diese zeigten neue Formen wie etwa schräg ausgestellte, dünne Beine oder abgerundete Ecken. Auszugstische ersetzten grosse Tafeln, Sideboards das schwere Buffet, der Loungesessel Omas Ohrensessel und so weiter. Und da wir heute wieder vermehrt auf kleinem Raum wohnen, passen diese Ideen aus den Fünfziger Jahren perfekt. Aber auch derTrend der Fifties zeigt sich immer wieder neu. Zuerst zog er als Skandichic ein, dann als Midcenturystil. Die Möbel sehen nicht mehr ganz gleich aus, sie sind raffinierter und neu interpretiert. Dieses Midcentury-Esszimmer ist von Interio.

Zurück in die Zukunft

Das Midcentury umfasst eigentlich eine grössere Zeitepoche. Es meldete sich sich bereits nach dem ersten Weltkrieg an mit der Entstehung der industriell gefertigten Konsumgütern, zu denen auch die Möbel gehören. Damit entstand ein neuer Beruf, nämlich der des Industriedesigners. Sie mussten nämlich die in Serien und Massen hergestellten Möbel so entwickeln, dass ihre Fertigung einfach, günstig und funktional ist. Es fand die gleiche Entwicklung statt wie der Schritt von der Haute Couture zu Prêt à Porter, also von Handgemachtem zu Fabriziertem.  So ist es denn logisch, dass diese Geburtsstunde des Designs auch heute noch viele Designer fasziniert und deshalb immer wieder Möbel und Inneinrichtungen entstehen, die mit der Formensprache des Mdicentury spielen. Hier sehen Sie echte Klassiker aus der Sechziger Jahren, nämlich sie Schweizer USM Modularmöbel und einen Loungesessel, den Antonio Zitterig 2011 für Vitra entworfen hat.

Pflanzen wie Oma

In den Mietwohnungen der Fifties hatte man natürlich keinen Garten mehr wie im Einfamilienhäuschen, höchstens vielleicht einen Balkon und neu ein Blumenfenster. Dieses bestückte man mit so vielen Zimmerpflanzen wie man nur konnte. Also hängte man sie auch von der Decke oder dem Fenstersims runter. Diese Hängepflanzen haben wieder einen Weg in unseren Wohnalltag gefunden. Dafür werden bestimmte Töpfe, wie etwa diese von Madam Stoltz, oder Körbe und Makramée-geknüpfte Hüllen verkauft. Dieser Retrotrend ist ein Mikrotrend, er bezieht sich auf ein einzelnes Detail und hat nur bedingt mit dieser Sehnsucht nach der Vergangenheit zu tun. Er entstand praktisch am Rande mit, das weil er gerade gut zu einem neuen Phänomen, nämlich dem Urban Gardening Trend passte. Die Lust mehr Grün und Echtes in den oft grauen Stadtalltag zu bringen ist in Grossstädten wie New York oder Berlin entstanden.

Ewige Landliebe

Weil alle Städte rasant wachsen, der Wohnraum begrenzter wird, verdichtetes Bauen stattfindet und auch auf dem Land die Urbanität um sich greift mit neu als Wohnraum genutzten Fabriken,  ist die Sehnsucht nach Ländlichem verständlich. Wir wünschen uns Teppiche, Sessel, Töpfe und Körbe, eine Uhr die tickt, Bilder mit Landschaften an der Wand und Krüge und Vasen, die mit Wiesenblumen gefüllt sind. Der Landhaustrend spielt auch mit Vergangenem, mit einer idealisierten Welt und zeigt sich in ganz vielen unterschiedlichen Interpretationen: Ein Beispiel ist der mediterrane, französisch inspirierte Landhausstil, wie er hier auf dem Bild von  Zara Home gezeigt wird.

Ein bisschen Drama

Der Alltag kann schon mal langweilig oder eintönig sein. Umso mehr erwacht der Wunsch sich im Kleinen persönlich zu entfalten. Da bietet das Einrichten der eigenen vier Wände eine wunderschöne Möglichkeit. Und dabei tauchen wir gerne in Fantasiewelten. So wird geschmückt mit Amphoren und Plastiken, mit Antikem und Dramatischem – all das je nach Charakter und Temperament der Bewohner. Dabei entstehen aber keine Museen sondern moderne Wohnwelten. Man mischt ja schliesslich Modernes unter, wie das hier schön interpertiert mit einem Möbel von Montana zu sehen ist.

Willkommen in der Wohnlandschaft

Eine andere Dekade, die gerade viel von sich sehen lässt sind die Seventies. Sie sind nicht nur auf dem Laufstegen ein wichtiger Trend sondern auch in der Wohnung. So ziehen wieder Wohn- und Sitzlandschaften ein, hier ein Beispiel von Bolia. Wieso denn gerade die Seventies, fragen Sie sich bestimmt. Unsere Gegenwart hat viel mit der der Seventies zu tun. Beide Zeitepochen haben die wirtschaftlich und politische Unsicherheit und die die Sehnsucht nach der Vergangenheit gemeinsam. Schaute man in den Siebziger Jahren zurück in die Jahrhundertwende, holen wir uns  heute Inspirationen aus den Seventies. Die damaligen Hippies hatten die Bohemians des 19. Jahrhunderts als Vorbilder, die heutigen Hipster sind eine neue, wenn auch ziemlich biedere Art der Hippies der Seventies. Wohn- und stilmässig kokettierte man damals mit den Palmengärten der Belle Epoque und dem Jugendstil, während wir heute ganz einfach in die Wohnzimmer der Siebzigerjahre schauen.

Platz für den Pouff

In diesen Wohnzimmern war immer viel Platz zum Sitzen und «Loungen» – dabei stand auch der Pouff zur Hilfe. Dieser zeigt sich gerade wieder überall. Kein Wunder, er ist nicht nur schön, sondern auch praktisch und vielseitig. Man kann ihn als zusätzlichen Sitzplatz benützen wie auch als Ablagetisch. Diese Pouffs sind von Ferm Living.

Träume wie damals

Vorbei mit den Futons, dem skandinavisch leichten Schlafen oder den tiefen Betten, deren Gestell man praktisch nicht sieht.  Wir schlafen und träumen wie damals – oder doch nicht ganz? Die neuen Betten erinnern zwar an stattliche, fürstliche Exemplare, die in alten Herrschaftshäusern standen, doch sie sind auf ihre Weise modern: ein wenig Ohrensessel, en bisschen Sofa, Omacharme, gepaart mit Hotelfeeling. Klar bettet man auch wieder ein bisschen so wie früher. Leintücher, die nicht fix sind, Oberleintücher und viele viele Kissen, die hinter zurückgeschlagenen Überwürfen hervorschauen. Das Bett ist von Letti &Co.