Wohnen in einer Gated Community

 

Leben in einer umzäunten Wohnanlage – in der Schweiz ist dies noch ein absolutes Novum. Doch was steckt eigentlich hinter dem Begriff Gated Community, und warum ist diese Form des Wohnens so heiss umstritten?

Schon älter als man denkt

Eine Gated Community ist eine Wohnanlage, die meist umzäunt oder ummauert ist. Teilweise wird sie auch bewacht. Zu finden sind solche abgeschotteten Wohngebiete auf der ganzen Welt – von Buenos Aires über Südafrika bis hin zu Florida, Israel aber auch London.

Gated Communities sind keine Erfindung der Neuzeit. Forscher haben herausgefunden, dass das Konzept der Gated Communities in China bereits vor mehr als 1000 Jahren während der Sui-Dynastie existierte. Durch die räumliche Abgrenzung der Königsfamilie und ihrer Vertrauten sollten die hierarchische Ordnung und die feudale Etikette gewahrt werden.

 

Wozu gibt es Gated Communities?

Der Zweck von Gated Communities ist im Kern gleich geblieben: Sie trennen ihre Anwohner vom Rest der umliegenden Welt. Genutzt werden umzäunte Wohngebiete häufig in ärmeren Ländern, in denen grosse soziale Ungleichheit und ein hohes Gewaltpotential herrschen – und machen so den Kontrast zwischen Arm und Reich noch viel deutlicher, als er ohnehin schon ist.

Besonders grosser Beliebtheit erfreuen sich Gated Communities aber auch in Industriestaaten wie den USA. Dort befinden sich die abgegrenzten Wohnareale oft in Vororten und werden von der wohlhabenden Mittelklasse bewohnt. Doch was schätzen ihre Bewohner eigentlich am Leben hinter verschlossenen Türen?

 

Vorteile und Nachteile von Gated Communities

  • Privatsphäre und Ruhe: In einer Gated Community ist man unter sich – neugierigen Blicken wird so schon von Anfang an der Riegel vorgeschoben. Hinzu kommt, dass umzäunte Wohnanlagen oft etwas ausserhalb liegen und daher die nötige Ruhe garantieren, die man sich nach einem anstrengenden Arbeitsalltag wünscht.
  • Lifestyle und Komfort: Viele schätzen aber auch einfach das Privileg, in einer gepflegten Wohnanlage zu wohnen, die über Freizeitanlagen wie einen Swimming Pool, ein Fitness Center oder einen gepflegten Park zur gemeinsamen Benutzung verfügt .
  • Service und Sicherheit: Egal, ob der Pförtner ungebetene Gäste abwimmelt, der Hausmeister sich um den Gebäudeunterhalt kümmert oder die Gated Community über einen Generator verfügt, der Stromausfälle überbrücken kann: Das Leben im Wohngebiet kann zahlreiche Vorzüge mit sich bringen, die den Alltag erleichtern. Oft werden die Areale zudem von Sicherheitspersonal überwacht, was ein angenehmes Gefühl von Sicherheit vermittelt.
  • Leben in einer Gemeinschaft: Als Anwohner in einem umschlossenen Wohngebiet fühlt man sich oftmals wie in einer eingeschworenen Gemeinschaft – schliesslich lebt man zusammen mit Gleichgesinnten und verbringt fröhliche Momente bei organisierten Veranstaltungen.

Umzäunte Wohnanlagen sind nicht jedermanns Sache. Dies liegt wohl auch an folgenden Nachteilen:

  • Kostenpunkt: Das Leben in einer Gated Community bringt oft höhere Kosten wie etwa für die Instandhaltung der Infrastruktur und für die Bewachung mit sich – was nicht ins Budget des Grossteils der Bevölkerung passt.
  • Lage: Was für die einen eine Wohltat ist, ist anderen ein Dorn im Auge. Bewachte Wohngebiete sind oft etwas ausserhalb gelegen und bringen daher längere Anfahrtszeiten zum Arbeitsplatz mit sich.
  • Bunkermentalität: Gleichgesinnte bestärken sich in ihren Meinungen und isolieren sich so immer mehr von allem, was ausserhalb stattfindet.

 

Gated Communities in der Schweiz

Der schlechte Ruf eilt den Gated Communities in der Schweiz voraus: Ein Projekt am Bodensee wird skeptisch als „Reichenghetto“ bezeichnet. Doch sind die Communities wirklich so schlecht, wie ihr Ruf? Erste Beispiele in Deutschland zeigen, dass deren Bewohner hauptsächlich den Komfort der Anlagen geniessen. Schlussendlich gilt wohl: Es wird nicht so heiss gegessen, wie es gekocht wird. Denn aufgrund strenger Bauvorgaben in der Schweiz werden Gated Communities wohl eher eine Seltenheit bleiben.