Wohnform: Mehr als wohnen

«mehr als wohnen» nennt sich die Baugenossenschaft, welche auf dem Hunziker Areal in Zürich genossenschaftliche Wohnungen anbietet. Diese sind nicht nur bezahlbar. Vielmehr kann man auf dem Hunziker Areal auch arbeiten, einkaufen, geniessen und vor allem gemeinsam aktiv sein. «mehr als wohnen» eben, oder eine neue Wohnform.

Auf dem rund 40‘000 qm grossen Hunziker Areal leben seit Mitte 2015 rund 1200 Menschen in 13 völlig unterschiedlich aussehenden Häusern. Gemeinsam ist ihnen, dass sie ökologisch, sozial und wirtschaftlich nachhaltig sind und Raum für unterschiedlichste Lebensmodelle bieten. Nicht zuletzt sind die Mietpreise dank Kostenmiete moderat (eine nicht allzu grosse 4,5-Zimmerwohnung kostet z.B. mit Nebenkosten unter CHF 2000 pro Monat). Zudem sind 20 Prozent der Wohnungen durch die öffentliche Hand vergünstigt und somit Leuten mit bescheidenem Einkommen vorbehalten. Genossenschaftswohnungen also? Ja, und trotzdem entstand auf dem Hunziker Areal eine neue Wohnform.

Ob verspielter Retrolook oder strenge Geometrie: Auf dem Hunziker Areal hat jedes Haus seinen eigenen Charakter. Visualisierung © Karin Gauch und Fabien Schwartz

Ob verspielter Retrolook oder strenge Geometrie: Auf dem Hunziker Areal hat jedes Haus seinen eigenen Charakter. Visualisierung © Karin Gauch und Fabien Schwartz

Architektur: Gemeinsamkeit hat viele Gesichter

Da die Häuser von fünf verschiedenen Architekturbüros entwickelt wurden, hat jedes Gebäude seinen eigenen Charakter. Da stehen aus Holz gefertigte Bauten neben solchen aus Dämmbeton oder Einsteinmauerwerk, und verspielter Retrolook steht neben strenger Geometrie. Eines haben sie allerdings gemeinsam: Sie sind so konzipiert, dass sie Begegnungen fördern. Deshalb bietet eines der Häuser eine Dachsauna, während ein anderes anstelle von Balkonen mit einer grosszügigen Gemeinschaftsterrasse sowie einem gemeinschaftlichen Wintergarten aufwartet. Nicht zuletzt sind alle Häuser energieeffizient gebaut und erfüllen höchste gesundheitliche und bauökologische Vorgaben. Auch hier also: keine Überbauung wie aus einem Guss, sondern eine neue Wohnform.

Energieeffizient und fast autofrei

Ökologie ist auf dem Hunziker Areal ein grosses Thema. Denn die Siedlung richtet sich nach den Zielen der 2000-Watt-Gesellschaft: Mit Häusern nach Minergie-P-ECO-Standard und Fotovoltaik-Anlagen auf den Dächern. Autos sind selten. Denn die Mietenden verpflichten sich, auf ein Auto zu verzichten. Zwar gibt es eine Tiefgarage mit wenigen Parkplätzen. Aber auf diese hat nur Anrecht, wer nachgewiesenermassen auf ein Auto angewiesen ist. Damit man trotzdem nicht auf Mobilität verzichten muss, gibt es zahlreiche Fahrradparkplätze sowie eine Mobilitätsstation, wo man Velos, Elektrofahrzeuge und Anhänger mieten kann. Zudem stehen carsharing-Angebote von Mobility zur Verfügung.

Von Studio bis XXL-Wohnung: Alles vorhanden

Ob Klein- oder Grossfamilie, Single, Paar, Generationen-Wohnung oder Wohngemeinschaft: Es gibt Wohnungen in jeder Grösse und Preislage. Entsprechend durchmischt ist bei dieser Wohnform die Einwohnerschaft, die Menschen jeglichen Alters, jeder Herkunft und mit unterschiedlichen finanziellen Möglichkeiten umfasst. Das Wohnungsangebot reicht vom Studio über die Mehrzimmerwohnung bis hin zum Cluster, wobei letzteres eine Art Satellitenwohnung ist. Diese besteht aus Kleinwohnungen mit Kochnische und Nasszelle, welche in ein grosses gemeinsames Wohnzimmer mit Küche münden.

Wohnungen in jeder Preislage, für Singles, Paare, Familien und sogar WGs: Ein starkes Argument für diese Wohnform. Visualisierung © Karin Gauch und Fabien Schwartz

Wohnungen in jeder Preislage, für Singles, Paare, Familien und sogar WGs: Ein starkes Argument für diese Wohnform. Visualisierung © Karin Gauch und Fabien Schwartz

Vieles, was man zum Leben braucht, in Gehdistanz

Das Hunziker Areal ist ein Quartier, das vieles bietet, was man braucht. So z.B. Quartierladen, Bäckerei, Restaurants, Coiffeur, Yogastudio, Secondhand-Geschäft und Nagelstudio sowie sogar Kita, Kindergarten und Kinderarzt. Das Angebot wird noch ausgebaut. Nicht zuletzt steht Besuchern ein Gästehaus mit zwanzig ansprechend gestalteten Zimmern zur Verfügung.

Neue Wohnform: Gemeinsam statt einsam

Nun kann man zwar auf dem Hunziker Areal einfach in einer günstigen Wohnung leben und für sich bleiben. Aber man kann sich – in Hausversammlungen oder Quartiergruppen – auch einbringen, indem man Ideen vorstellt und/oder mithilft, diese umzusetzen. Zehn gemeinschaftlich genützte «Allmendräume» stehen Bewohnern bei dieser Wohnform zur Verfügung, in denen z.B. Gemeinschaftsräume, Party-Küche, Innenspielplatz, Meditationsraum usw. untergebracht sind. Zudem gibt’s gemeinsame Aussenräume sowie Gartenflächen. Eine Réception ist ebenfalls vorhanden, wo Bewohner nicht nur Unterstützung und Auskünfte erhalten, sondern auch Dienstleistungen anbieten und tauschen können (Beispiel: Du hilfst mir bei der Computer-Software, ich backe Dir einen Kuchen). Nicht zuletzt gibt es einen zentralen Treffpunkt beim Genossenschaftsplatz. Er steht allen Bewohnern rund um die Uhr zur Verfügung und ist ein Ort, wo man sich spontan trifft, plaudert, isst, spielt und Kultur geniesst. Denn die verschiedenen Quartiergruppen sind hier mit Filmabenden, einer Bibliothek oder dem Café-Treff präsent.

Gemeinsam statt einsam, also, wobei das Engagement auf dem Hunziker Areal freiwillig ist und Platz für die verschiedenartigsten Lebensentwürfe lässt. Mehr Informationen über diese spannende Wohnform gibt der Artikel im Magazin für genossenschaftlichen Wohnungsbau «Wohnenextra».