Wohnungskündigung wegen Eigenbedarf

Kündigung aus Eigenbedarf – Will ein Vermieter in sein eigenes Wohnobjekt einziehen, muss der aktuelle Mieter der Immobilie ausziehen. Was Mieter und Vermieter bei einer Kündigung aus Eigenbedarf wissen müssen.

Die Räume sind gross, mit Echtparkett ausgestattet und die Aussicht ist unschlagbar. Trotzdem fand die Familie A. in den letzten Jahren keine Verwendung für ihre idyllische Altbauwohnung mitten in der Hauptstadt. Nach dem Auszug der Kinder, scheint das bis anhin bewohnte Haus auf dem Land aber plötzlich riesig und das Stadtleben gewinnt an Attraktivität zurück. Das Ehepaar A. kündet dem aktuellen Mieter ihrer Altstadtwohnung, Herrn B., aus Eigenbedarf.

Die Kündigung eines bestehenden Vertragsverhältnisses ist für beide Parteien eine folgenreiche Entscheidung. Dem Vermieter steht es aber jederzeit frei eine ordentliche Kündigung aus Eigenbedarf auszusprechen. Dabei muss kein Eigenbedarf im engeren Sinne vorherrschen, aber die Begründung muss wahr und plausibel sein. Damit eine Vertragsauflösung allerdings rechtskräftig wird, müssen bestimmte formale Bedingungen eingehalten werden.

Wann ist eine Kündigung korrekt und gültig?

Damit die Kündigung formell gültig ist, muss sie schriftlich erfolgen. Verwendet muss dafür ein vom Kanton genehmigtes Kündigungsformular das eigenhändig unterzeichnet wird.
Wird die Wohnung von mehreren Parteien gemietet- Konkubinatspartner oder Wohngemeinschaften – muss die Kündigung an alle Personen einzeln gehen. Auch ein verheiratetes Ehepaar muss die Kündigung separat erhalten, egal wer den Mietvertrag unterschrieben hat. Zwingend eingehalten werden müssen zudem die Kündigungsfrist und der Kündigungstermin. Massgebend ist dabei nicht der Poststempel, sondern das Datum an welchem der Mieter die Kündigung bei sich im Briefkasten vorfindet.

Erstreckung des Mietverhältnisses

Herr B. kennt und versteht die Situation des Ehepaars A. und bittet sie aber darum in der Altstadtwohnung bleiben zu können, bis er eine Alternative gefunden hat. Das Ehepaar A. geht nicht auf die Bitte von Herrn B. ein, da sie selber möglichst bald in ihre Stadtwohnung ziehen wollen. Herr B. plant deshalb innert der einzuhaltenden Monatsfrist zur Schlichtungsbehörde zu gehen und eine Erstreckung des Mietverhältnisses zu fordern. Die Dauer der zu erwartenden Erstreckung hängt immer vom konkreten Einzelfall ab. Die Schlichtungsstelle wägt die Interessen der Parteien ab und vermittelt zwischen dem Mieter, der möglichst lange bleiben will und dem Vermieter der das Mietverhältnis bald aufgelöst haben will.

Nachdem das Ehepaar A., Herr B. persönlich kennengelernt hat und von ihm von der schwierigen Wohnungssituation in der Hauptstadt erfahren hat, konnten sich die Parteien aussergerichtlich einigen. Herr B. darf drei weitere Monate den wunderbaren Blick über die Altstadt geniessen, während er intensiv nach einer neuen Wohnung sucht und verzichtet im Gegenzug auf den Gang zur Schlichtungsbehörde.

Kauf einer Immobilie führt zu einer ausserordentlichen Kündigung

Herr B. entschliesst sich bald selber eine Immobilie in Stadtnähe zu kaufen. Da in dem Wohnobjekt bis anhin eine Wohngemeinschaft einquartiert war, muss nun auch Herr B. eine ausserordentliche Kündigung aus Eigenbedarf an alle Mitglieder der Gemeinschaft aussprechen. Das Mietverhältnis kann hier bei Wohnräumen mit einer Frist von drei Monaten auf den nächsten gesetzlichen Termin gekündet werden. Der Eigenbedarf wird eng ausgelegt und bei vorzeitigen Kündigungen kann auch Schadenersatzpflicht  entstehen.

Egal ob Mieter oder Vermieter, wer sich sicher sein will, dass mit dem angestrebten Wohnungswechsel alles reibungslos ablaufen wird, greift am besten auf die Rechtsberatung beim örtlichen Hauseigentümer-oder Mieterverband zurück.