Zweitschlüssel für Vermieter – erlaubt oder verboten?

Dürfen Vermieter einen Zweitschlüssel für die Wohnung Ihrer Mieter haben? Die Rechtslage dazu ist eindeutig. Wer eine Wohnung vermietet, hat kein Recht darauf, den Schlüssel einer Wohnung zurückzubehalten. Mieter haben dagegen gute Gründe, trotzdem einen Zweitschlüssel zu hinterlegen.

Im Film „Der Appartement-Schreck“ erleben Ben Stiller als Alex und Drew Barrymore als Nancy den Wohn-Albtraum: Eine ältere Lady lebt im selben Haus und steht immer wieder ungebeten in ihren vier Wänden. In der Nacht dreht sie ihren Fernseher auf volle Lautstärke, und tagsüber lässt sie sich von den beiden bedienen. Passiert das nur amerikanischen Schauspielern in einem Film, der in New York spielt? Natürlich. Aber es schadet nicht, wenn Sie sich Gedanken darüber machen, ob jemand im Besitz eines Zweitschlüssels zu Ihrer Wohnung sein soll.

Alle Schlüssel dem Mieter!

Schlüssel werden übergeben.

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Die Antwort auf die Frage, ob die Vermieterin, der Vermieter, einen Zweitschlüssel zurückbehalten darf ist kurz und bündig: Nein! Der „Mieterinnen- & Mieterverband“ nennt dazu die Artikel 253 und 257h des schweizerischen Obligationenrechts als gesetzliche Grundlagen. Mieten Sie sich eine Wohnung, gehört diese fortan zu Ihrer Privatsphäre, und niemand sonst hat uneingeladen Zutritt zur Wohnung. Der Vermieter muss dem oder den Mietenden deshalb alle zur Wohnung gehörenden Schlüssel oder Passepartouts aushändigen. Bei der Schlüsselübergabe lohnt es sich, genau hinzuschauen. Denn auch Sie als Mieterin oder Mieter haben die Pflicht, am Ende des Mietverhältnisses alle Ihnen überlassenen Schlüssel zurückzugeben. Am besten also auf dem Mietvertrag gleich notieren, wie viele Schlüssel Sie erhalten haben! Reichen Ihnen die Anzahl der Schlüssel nicht, müssen Sie den Vermieter um Erlaubnis bitten, einen oder weitere Schlüssel anfertigen zu lassen. Die Kosten dafür übernehmen Sie als Mieterin oder Mieter.

Keine Besuche ohne Einladung – ausser im Notfall

Auch sonst dürfen Vermieter und Vermieterin nicht einfach so mal vorbeischauen. Zutritt zur Wohnung muss nur zu Unterhaltszwecken oder im Notfall gewährt werden. Der K-Tipp nennt hier einen Brand oder Wasserleitungsbruch als Beispiele. In so einem Fall dürfen dann aber sowohl Feuerwehr wie auch der Vermieter die Wohnung ungefragt betreten beziehungsweise aufbrechen – Schlüssel hin oder her und auf Ihre Kosten. Anstehende Unterhaltsarbeiten wie eine Heizungskontrolle oder das Ausbessern der Fugen im Bad müssen natürlich ausgeführt werden können, allerdings immer zu einem mit Ihnen rechtzeitig vereinbarten Termin. Sie haben sich entschlossen wieder auszuziehen? Dann sind Sie verpflichtet dem Vermieter erlauben, Ihre Wohnung potentiellen Nachmietern zu zeigen – wiederum nach Vereinbarung und zu zumutbaren Tageszeiten. Abends um elf Uhr, müssen Sie keinem mehr Ihre Wohnung präsentieren.

Nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen

Recht auf ein spontanes Bsüechli bei seinem Mieter hat ein Vermieter also nicht. Dringt Letzterer ohne vorherige Absprache in eine Wohnung ein, so begeht er gar Hausfriedensbruch und macht sich strafbar. Erfahren Sie, dass der Vermieter einen Schlüssel zurückbehalten hat, haben Sie das Recht, diesen einzufordern. In beiden Fällen können Sie gerichtliche Schritte gehen. Doch fallen Sie nicht gleich mit der Tür ins Haus: Durch falsche Anschuldigungen machen wiederum Sie sich strafbar.

Zweitschlüssel bei der Person des Vertrauens deponieren

Manchmal kann es aber sinnvoll sein, einen Schlüssel bei einer Vertrauensperson zu hinterlegen, etwa bei längerer Abwesenheit oder etwa für den Fall, dass man den eigenen Schlüssel nicht mehr findet. Diese Person sollte gut erreichbar sein. Den Schlüssel legen Sie zu diesem Zweck am besten in ein Kuvert, verschliessen und unterschreiben dieses über die Lasche hinweg. So sehen Sie auf den ersten Blick, ob der Schlüssel gebraucht wurde oder nicht. Ihre Vermieterin ist total nett und wohnt gleich im oberen Stock? Sehr gut! Dann kann natürlich sie Ihre Person des Vertrauens sein, und Sie haben sowieso den Lotto-Sechser gewonnen.